Geschrieben von Rusus, eingestellt von am 20. Juli 2011 in Geländebau

Seit längerem wollte ich schon die Gipsritztechnik von Gerald Boom (Shiftinglands) ausprobieren und da dachte ich mir: Mache das doch mit einer kleinen Ruine für Herr der Ringe. Gedacht getan habe ich also einfach drauf losgebaut.

Die Ruine wird nicht in einem Artikel fertig werden. Im ersten Teil wird es um die Erstellung der Bauteile, insb. Herstellung der Rohlinge und die Gravur gehen. Die folgenden Teile drehen sich dann um den Aufbau, die Bemalung und die Begrünung/Gestaltung.

Dieses Bastelprojekt ist recht aufwändig, einerseits was die zeitliche Inanspruchnahme andererseits was den Materialaufwand betrifft. Es geht also nicht um eine schnell gebaute Ruine, die in einer halben Stunde fertig ist. Ob man den Aufwand betreiben möchte, bleibt jedem selbst überlassen, aber vielleicht wird der eine oder andere ja durch die Artikel inspiriert. Ich möchte noch darauf hinweise, dass dies kein Artikel für Anfänger sind. Ein gewisses Maß an modellbauerischer Erfahrung und auch Werkzeugausstattung wird vorausgesetzt.

Genug der langen Worte, jetzt geht’s aber endlich los.

Ich werde zuerst eine Vorform (Einmalform) aus Styrodur bauen, in der ich einen Rohling aus Gips gießen werde.

ruine01_79cb5b0b77

Die Ruine soll eine von Rundbögen durchbrochene Mauer in Bogenform werden. Aus Styrodur habe ich eine Basis geschnitten. Mit etwas Übung lassen sich so Teile Freihand mit dem Heißdrahtschneider (ich verwende den Proxxon Thermocut) schneiden. Rechts und links stehen noch zwei Säulen, die die Begrenzung der Ruine bilden werden. Die einzelnen Styrodurteile habe ich mit Holzleim zusammen geklebt und mit Zahnstochern fixiert.

ruine02_daa16163df

Für die flächige Begrenzung der Vorform benutze ich Selitron in 3 mm Stärke. Das lässt sich gut biegen; ich möchte ja eine gleichmäßig gebogene Mauer bekommen. Auch hier habe ich zum Kleben Holzleim benutzt; zum Fixieren diesmal jedoch Stecknadeln.

ruine03_b6da519ef8

Nun habe ich zwei Bogenelement hinzugefügt. Diese habe ich ebenfalls mit dem Heißschneider aus Styrodur geschnitten. Sie müssten eigentlich die gleiche Biegung wie die Mauer haben und auch konisch geformt sein, aber wir wollen mal nicht zu genau sein. Leichte Überstände, die nachher in die Ritzen fließen werden, können wir leicht abbrechen. Zudem geht?s ja nur um die Vorform und noch dazu um eine Ruine. Die ganze Vorform sollte aber schon so dicht werden, dass der Gips nicht heraus fließt.

ruine04_d92f5468e5

Nun habe ich die Form geschlossen. Dieses Bild zeigt die Vorform von oben betrachtet.

ruine05_0abd7d14af

Dann viel mir ein, noch eine Zierleiste anzubringen. Diese soll hervorstehen, also muss die Vorform eine entsprechende Auskerbung haben. Ich habe die bestehende Form um ca. 3 cm aufgestockt und dabei einen Spalt von 3-4 mm gelassen. Dieser wurde dann von außen wieder mit 3 mm Selitron verschlossen.

ruine06_866724324a

Da ich beim eigentlichen Gießen beide Hände benötige, gibt?s dazu leider kein Foto. Aber ich glaube, jeder kann sich vorstellen, wie man Gips in die Form schüttet.

Ich habe Artikulationsgips der Stärke 3 verwendet. Dieser braucht recht lange zum Aushärten und das kommt den folgenden Arbeiten zu gute. Diesen Gips habe ich mal vor einiger Zeit über den Dentalfachhandel bezogen. Ob es da passende Substitute gibt, kann ich nicht sagen. Zur Not einfach mal mit anderen Gipsarten probieren, falls man an den besagten nicht heran kommt.

Nachdem der Gips angetrocknet ist werden alle Stecknadeln und Zahnstocher entfernt und die ganzen Styrodurteile rückgebaut. In der Regel lässt sich so eine Form nur einmal verwenden. Mit dem Ausformen sollte man nicht zu lange warten, sonst wird der Gips zu hart. Also nicht über Nacht stehen lassen. Eine gute Stunde ist OK. Wie man an der Zierleiste sehen kann, ist der Gips nicht überall hingeflossen. Wahrscheinlich war er nicht flüssig genug. Das wäre für ein intaktes Gebäude natürlich Kappes. Für eine Ruine spielt es zum Glück keine Rolle, ob da mal ein Stückchen fehlt.

ruine07_98ba983c65

Falls man für die weitere Verarbeitung im Moment keine Zeit hat, kann man das Gussteil mit Hilfe einer Zip-Tüte haltbar machen. Der Gips trocknet dann nicht aus und man hat mehrere Tage bis Wochen Zeit. Im Laufe der Zeit bilden sich allerdings kleine Stockflecken. Die sehen zwar nicht toll aus, aber stören noch dem vollständigen Trocknen auch nicht mehr. Das Teil wird ja sowieso bemalt.

ruine08_20c26b8c6d

Kommen wir nun zum eigentlich Ritzen/Modellieren/Gestalten/Gravieren/Wasauchimmer. Dazu eigenen sich alle Werkzeuge, die eine spitze Kante haben. Schraubendrehen, Dorn, Modellierwerkzeuge oder auch Messer oder Nägel sind geeignet. Den Pinsel benötigt man, um das ausgekratzte Material wegzufegen. Da fällt mehr an, als man meint.

ruine09_738efda6f6

Ich wollte ein paar gleichmäßige Fugen haben. Um diese auf eine einheitliche Höhe zu bringen kann man entweder einen Streifen Plasticcard oder feste Pappe als Lineal verwenden oder man macht sich eine Säule aus Legosteinen. Darauf wird ein Dorn gelegt, der dann an der Mauer vorbeigeführt wird. Auch bei gebogenen Oberflächen bekommt man so eine ebene Fuge auf die Wand. Wenn die Fugen einmal „angezeichnet“ sind kann man auch gut freihändig weiterarbeiten.

ruine10_01_b3913d5d1c

Dazu legt man das Teil auf ein altes Frotteehandtuch (welches noch nicht zum Strohdach verarbeitet wurde). Einerseits verrutscht das Teil nicht so schnell auf der Arbeitsplatte, andererseits macht man dann auf der Unterseite auch keine Macken in das gute Stück.

Beim Gravieren kann man sich nun auslassen: Ecken wegbrechen, die Oberfläche einzelner Steine komplett 1-2mm abnehmen, Risse eingravieren, andere Gesteinsarten durch andere Oberflächen darstellen sind nur einige Beispiele. Hier ist die Kreativität jedes einzelnen gefragt.

ruine11_01_359eb8e151

Hier nun das Ruinenteil nach Gravur und Trocknung.

ruine12_f3c94e35e9

Ich habe dann noch direkt zwei weitere Einzelteile auf die gleiche Weise gebaut. Beim Bau der Vorform sollte man jedoch immer im Hinterkopf haben, was da eigentlich bei rauskommen soll, da man ja ein „Negativ“ baut. Ein bisschen räumliche Vorstellungskraft ist da angebracht.

ruine13_dbd0b98454

Wenn noch Fragen offen sind, so können diese ja im Forum geklärt werden.
Im nächsten Teil geht’s um die Positionierung der Teile auf einem Base. Dazu müssen vielleicht noch ein paar Ecken abgebrochen werden und wir brauchen natürlich noch Schutt.
Vielen Dank an Gerald Boom (www.shiftinglands.com), dem ich diese tolle Technik auf der Tactica abgeschaut habe.

Hier könnt ihr über den Artikel diskutieren.

 

Eine Antwort schreiben