Tankreds Harad Armee
Es gibt diesen wunderbaren Moment in unserem Hobby, an dem man endlich sagen kann: "Ja, diese Armee ist fertig". Diesen Moment habe und hatte ich, wenn ich von meinen Haradrim spreche. Und natürlich spreche ich gerne über meine vermummten Freunde, das sollten die meisten Hobbyfreunde von mir bereits gemerkt haben.
Nach einem halben Jahr Bemalung, Modellierung und Geländebau habe ich nun die Arbeiten an den Wüstensöhnen eingestellt. Am Ende stehen zwei 500 Punktearmeen in unterschiedlicher Aufstellung bzw. eine 750 Punkte Armee, ein Satz themenbezogene Geländeteile und ein zufriedenes Lächeln beim Blick in die Vitrine.
Diesen Moment habe ich eigentlich erst zum zweiten mal, da meine Rohanarmee genaugenommen noch nicht vollständig ist. Beginnen will ich dieses Armeeportrait mit ein paar spielerischen Erfahrungen. Eine Armee in einer Größe von 750 Punkten zu kaufen und zu bemalen will gut überlegt sein. Sonst stehen am Ende entäuschende Spielpartien.
Ich tendiere inzwischen dahin, dass Haradarmeen entweder eine große Anzahl Lanzenreiter haben sollte, ich denke mehr als 10 sollten ein Anhaltspunkt sein, oder einen Mûmak enthalten sollte. Eine Infantrie-basierte Haradarmee schlug sich in einem Test nicht gerade gut. Sicherlich lag das auch an mangelnden taktischen Möglichkeiten der Haradrim Speerträger, da sie nicht einmal einen Schild haben.
Ein Mûmak ist wiederum eine "Miniatur" die nicht einfach zu spielen ist. Zum einen, da sich eine riesige Gemeinde an Anti-Mûmak-Strategen gebildet hat, zum anderen, weil man mit Stoßzähnen mitunter dem guten Spieler den Spaß am Spiel auch nehmen kann.
Der Mûmak
Die Miniatur selbst stellt an uns Sammler höchste Ansprüche. Man benötigt sehr viel Geduld und Geschick, um diese Miniatur zu meistern. Marla hat die graue Haut (ich meine nicht meine graue Eminenzhaut) gebürstet und die Kriegsbemalung rituell bemalt. Bislang hat die Kriegsbemalung viel Glück gebracht. Ich dachte ich sollte das mal erwähnen, falls euer Mûmak im Kriegsgeschick kein Fortune besitzt.
Eins kann euch auf jeden Fall gewiss sein, es gibt keinen Gegner, der nicht von einem Mûmak beeindruckt ist. Für mich war er erst einmal die Basis des Sammelns. Nach dem ersten Spiel bei Games Workshop Deutschland (Spielbericht) war ich mir sicher, dass eine Haradarmee eine spielerische Herausforderung sein würde.
Die Wüste rief, und ich folgte dem heißen Wind...
Die Farbschemen
Lange dachte ich auch über die Farbschemen für meine Haradrim nach, da mir die violetten Brüder im Regelbuch allzusehr so aussahen, als hätten sie sich zu lange im Harem rumgetrieben.
Nachdem Marla mal wieder mich mittels brutalst möglicher Kritik zu einem guten Ergebnis begleitet hat, konnte ich mich daran machen, größere Mengen an Speerträgern zu bemalen.
Bei diesem Projekt habe ich mir übrigens, nachdem ich den Mûmak bemalt habe, alle gewünschten Miniaturen gekauft und unbemalt auf eine Geländeplatte mitten im Wohnzimmer gestellt. So hatte ich, nach gut einem Drittel, mein Ziel stets vor Augen. Mich hat der Anblick angespornt. Versucht es mal, manche fallen allerdings in eine Zinnlethargie. Grundieren könnte allerdings helfen.
Die Bases
Da der Mûmak zuerst bemalt wurde, entschied ich mich schon sehr früh, dass die Bases auf jeden Fall keinen Unterschied zum geflochtenen Howdah Boden haben dürfe. Ich bin in diesen Belangen viel zu spießig, als dass ich einfach gesandete Bases in eine Howdah stellen könnte.
Die fand ich dann so toll, dass ich sie auch beim Rest der Armee, außer bei den Kavalleriemodellen, verwendet habe. Merkwürdig, aber da war ich nicht spießig, einfach weil die Bases in meinen Augen besonders und und unaufdringlich interessant aussehen.
Marla hilf auch hier sehr maßgeblich. Nach meinen ersten mit Greenstuff modellierten Basen hat Marla sich ebenfalls der Sache angenommen und unglaublich feine Variationen meiner ersten gestaltet.
Mittels einer Abformmasse, die auch der Zahnarzt verwendet (siehe Bild, vielen Dank für die Masse Heike!) haben wir die Bases abgeformt. Sehr hilfreich waren hierbei diverse Flaschen Becks, deren Kronkorken bei der Abformung und deren Inhalt beim Durchhalten Wunder half.
Dieses mal bin ich dazu übergegangen, kleine Einheiten am Stück zu bemalen. Bei meinen letzten Armeen habe ich in fuktionellen Gruppen gedacht. Ihr seht zum Beispiel eine volle (blaue) Infantriegruppe mit Hauptmann, Standartenträger mit 14 Mann. Soetwas ist für mich eine Kerneinheit.
Die zweite (rote) Gruppe ist etwas kleiner und geht mit dem Hasharim auf die Jagdt gegen kleine Helden.
In solchen Gruppen ist eine Armeeaufstellung wesentlich einfacher und die Bemalung geht leichter von der Hand. Ich habe die 13 bis 14 Speerträger am Stück gemalt. Das empfehle ich nur motivierten Fortgeschrittenen. Eine Kommandogruppe bemale ich allerdings alleine, da ich mich dann voll und ganz den Details widtmen kann.
Die Zelte
Eigentlich habe ich ja immer zig Tabletop-Projekte parallel. Dieses mal habe ich mir nur ausnahmsweise themenbezogen ein Geländebauprojekt und ein Armeeprojekt vorgenommen. Diesbezüglich empfehle ich natürlich noch einmal wärmstens die Wüstensöhne Reihe zu lesen.
Ich entschied mich für die Zeltstadt. Das hat das Projekt nur unwesentlich in die Länge gezogen. 10 Zelte und zwei Feuerstellen hören sich an, als wäre so etwas schnell fertig - ich hingegen schaffe es wieder einmal, eine nie enden wollende Perfektionsschlacht daraus zu machen.
Einen Zeltbaubericht findet ihr im 3. Teil der Wüstensöhne. In Bezug auf das Projekt Haradarmee ist aber zu erwähnen, dass ich zur Erholung vor einer detaillierten Bemalung sehr gerne etwas Gelände baue. Wenn man so fummelig wie ich malt, ist das tatsächlich eine Erholung.
Die Standarte des Häuptlingzeltes war übrigens der Prototyp des blauen Standartenträgers. Anstatt auf einem Blatt Papier zu üben, baute ich flugs mit Blumendraht, Polystyrol und Kleber eine Standarte nach.
Nachdem ich also auch die Zelte zu kleinen Irrsinns-Bastelarbeiten verwandelt habe, indem ich Speere bastelte, eine Standarte aufs Chefzelt setzte und Gepäck ums Feuer legte machte ich mir schon Sorgen, ob ich langsam zu schnell fertig werden könnte.
Die Reiter
Schon lange hegte ich den Wunsch, kompliziertere Umbauten als die Ostlinge anzugehen (als ob die noch nicht kompliziert genug gewesen wären). Inspiriert durch Finarfins Elnaith machte ich mich daran Reiter umzubauen, nachdem ich festgestellt hatte, dass es nur 2 Reiterposen für Harad gab. Hier seht ihr die Greens der Reiter.
Allerdings waren zu der Zeit der Fertigstellung gerade die Wüstensöhne Artikel online. Einige Community Mitglieder forderten eine weiteres bahnbrechendes Farbschema von mir. Das hat mir wirklich zu denken gegeben. Ich malte einen ganzen Tag an zwei Prototypen rum, bis ich auf ein Ocker-Gelbes Farbschema kam. Der Bogenschütze ist übrigens dieser Prototyp.
Endspurt
Als Highlight der Bemalung habe ich mir zum Ende hin den Hasharim aufgehoben. Freilich war er nicht die letzte Miniatur, da man zu einem Usertreffen immer recht hektisch wird. Allerdings wollte ich alle Erfahrung, die beim Bemalen einer ganzen Armee entsteht, in diese Miniatur einfließen lassen.
Es ergab sich, dass beim Testen eines neuen Farbschemas ein Zufallsprodukt für einen graugrünen Elbenmantel herausgesprungen ist. Diese wendete ich bei dem Hasharim an. Ich litt etwas darunter, dass der heimliche Mörder aus dem Süden mit Glitzerkram behangen ist, wie eine Bordelltüre, allerdings fand ich die Miniatur am Ende doch einfach wunderschön. Gary kann doch was...
Fazit
Malen, Basteln und Zusammenstellen der Haradarmee waren einfach toll. Beim Bemalen mag ich fallende Stoffe und kräftige Farben, die Modelle der Perrys aus Plastik waren nicht zu grob und nicht zu fein und bieten einfach einen herrlichen Anblick.
Wer großen Wert aufs Malen legt, vielleicht sogar ausschließlich sammelt, sollte unbedingt die Haradrim sammeln.
Spielerisch sind sie zweischneidig und sollten im Zweifel als Bündnisspartner Mordors gesammelt werden. Dann aber bitte nicht wie ein Powergamer, also nur Harad Bogenschützen, sondern bitteschön mit Häuptling, Reitern und vielleicht einem Mûmak.
Inzwischen hatte ich schon mehr als 12 Spiele, von denen über 2 Stunden gingen. Alle waren einfach super spannend und ich danke hier noch mal meinen Spielpartnern Ertz, Marla, Blood Brother, Simmerhammer, Glorfunzel und Finarfin, die mir so viel Spaß bereitet haben.
Wer, wie ich, eine Affinität zu den unterschätzten und missachteten hat, sollte sich auch dieser merkwürdigen Armee annehmen. Die schwächsten Infanteristen und Reiter und eine der stärksten großen Kreaturen im Spiel sind schon eine sehr interessante Sache. Mit Sicherheit kann ich sagen, dass Spiele mit Harad extrem sind: Extrem kurz oder lang, extrem blutig oder schnell vorbei, extrem aufregend und extrem unvorhersehbar.
Ich hoffe ihr hört den Wüstenwind,
Euer Tankred
P.S. Ein Mûmak, viele Mûmakil - man lernt nie aus...

























