
Mit dem neuen Ergänzungsbuch "Die Befreiung des Auenlandes" geht Games Workshop wieder mehr in Richtung Szenarien. Wer die erste Edition des Herr der Ringe - Tabletops kennt, weiß, was ich meine: Mit wenigen Figuren ansprechende atmosphärische Szenarien aus Mittelerde und dem Herr der Ringe nachspielen.
Das 64 Seiten umfassende Regelwerk enthält Hintergrundinformationen, viele Illustrationen und Bilder, neue Einheiten und natürlich die Szenarien, mit denen Ihr die Befreieung des Auenlandes nachspielen könnt.

Über Hobbits
In diesem Kapitel gibt Mat Ward einen stimmungsvollen Einstieg in das Auenland. Weiter gibt er einen kurzen Überblick über die Befreieung des Auenlandes. Wie immer schafft es Mat Ward, die Atmosphäre dieser Zeit einzufangen.
In zwei weiteren Kapiteln mit Hintergrund-Information geht er auf die Entstehung des Auenlandes ein und beleuchtet ein paar Persönlichkeiten des Auenlandes näher.
Die Verteidiger des Auenlandes
Die Gute Seite erhält mit der Befreiung des Auenlandes eine Vielzahl neuer Miniaturen. In keinem anderen Ergänzungswerk gibt es so viele neue Profile.
Den Anfang bilden die vier bekannten Hobbits aus dem Herr der Ringe. Man merkt an ihren Profilen, dass sie der Ringkrieg reifer gemacht hat. Frodo ist dabei am schwersten gezeichnet worden und steht den Hobbits im Auenland nicht mehr mit dem Schwert sondern mit seiner Entschlossenheit und seinem Mut zur Seite, während Samweis mit Stich in die Schlacht zieht.
Merry und Pippin präsentieren sich als Ritter der Mark und Wächter der Veste aus. Alle vier Hobbits haben nun die Option auf ein Pony, welches es allerdings nicht mit einem ausgewachsenem Pferd aufnehmen kann.
Neben den bekannten Hobbits gibt es auch eine Reihe weiterer Kämpfer für das Auenland. Da gibt es Bauer Maggot mit seinen drei Hunden Greif, Fang und Wolf, den alten Paladin Tuk, welcher durch Führung seinen Mitstreitern hilft. Auch Dick Bolger und Lobelia Sackheim-Beutlin wurden verwirklicht. Bei Letzterer lässzt sich streiten, ob sie eher Fluch oder Segen für beide Seiten ist, da durch ihr ständiges Gekeife so manchen Hobbit und Strolch sein Mut verlässt...
Neben den Helden gibt es noch neue Truppen für die gute Seite. Hobbit-Milizen, Bogenschützen und Landbüttel stellen sich den Strolchen entgegen.
Alle Profile passen sehr gut zum Hintergrund. Keiner der Helden hat Fähigkeiten, die einen Ork das Fürchten lehren. Doch genau das macht auch den Reiz aus. Wie im Buch werden sicherlich auch einige Spieler die Hobbits unterschätzen, welche sich mehr durch Zusammenhalt und Mut auszeichnen, als durch eine hohe Stärke. Besonders die Sonderregeln von Lobelia, Paladin und Frodo geben dem Tabletopspiel strategische Würze.
Die Figuren sind wieder einmal eine Augenweide. Die verschiedenen Hobbitkrieger schreien gerade dazu, dass man sie individuell und liebevoll bemalt. Sicher lässt die Vielfalt an Modellen viele Umbaumöglichkeiten zu.
Scharrers Schurken
Die Böse Seite wird in dieser Erweiterung natürlich nicht vernachlässigt. Durch die Rüpel und Strolche erhält der Spieler des Bösen die Möglichkeit, günstige ungerüstete Krieger zu bekommen. Ihre Modelle spiegeln ihr Image als Säufer und Strauchdiebe sehr schön wieder und sie runden die Befreiung des Auenlandes optisch ab.
Scharrer und Schlange sind die beiden Helden für die Böse Seite. Scharrer ist nur noch ein Schatten Sarumans früherer Macht. Dies spiegelt sich auch in seinem Profil wieder. Er ist zwar eine mächtige Figur in dieser Erweiterung, allerdings ist er nicht unüberwindbar.
Schlange ist sein Diener und ebenso von Hass zu seinem Herrn erfüllt wie im Buch. Dies spiegelt sich auch in seiner Sonderregel nieder.
In der Community kann man zur Zeit Diskussionen verfolgen, in denen sehr gerne die Werte der Bösen Seite mit Profilen anderer Mächte des Dunkels verglichen werden. Wenn man dies tut, wird man natürlich keinen Grund finden, eine Armee aus runtergekommenen Zauberern und Schurken zu spielen. In keiner anderen Erweiterung bilden die Profile, die Szenarien und der Hintergrund einen derart engen Zusammenhang. Daher rate ich, die Profile der Schurken mit denen der Hobbits zu vergleichen und nicht etwa mit einer anderen Erweiterung.

Die Wildnis von Eriador
In diesem dritten Miniaturen-Kapitel geht es um einige Streiter aus der Vergangenheit des Auenlandes. Den Anfang macht Bandobras Tuk, welcher der einzige Hobbit ist, der auf einem Pferd reitet. Meiner Meinung nach ist dies die schönste Miniatur dieser Erweiterung und man spürt geradezu die Energie in dieser Pose. Neben ihm sind in diesem Kapitel auch einge bekannte Profile enthalten, wie die Waldläufer des Nordens, Tom Bombadil und Goldbeere.
Die Böse Seite beinhaltet Golfimbul einen Orkhäuptling und die Weißen Warge des Nordens. Dazu gibt es auch einen Grauwarg als Rudelführer. Neben diesen neuen Profilen sind auch ein paar passende bekannte Profile enthalten, wie die Grabunholde und Moria-Goblin Schamanen.
Mit diesen Profilen steht euch alles zur Verfügung, was ihr benötigt, um auch Szenarien in den umliegenden Landstrichen zu spielen. Die bösen Mächte aus der Wildnis von Eriador sind aber auch durchaus geeignet, eine Themenarmee aufzustellen, die nicht nur im Auenland eingesetzt werden kann.

Neue Regeln
Abgesehen von den Profilen bringt die Auenlanderweiterung kaum neue Regeln in das Spiel, ein Sachverhalt, den ich nicht als Nachteil werte. Reiterlose Warge stehen nun endlich zur Verfügung, bieten aber wahrscheinlich nicht das, was sich etliche böse Spieler erhofft haben. Den enttäuschten sei gesagt, dass Warge aufgrund der Spielbalance nicht übermächtig gemacht werden konnten. Dafür sind sie sicherlich eine interessante Option, da sie nicht allzuviele Punkte kosten.
Für die Hobbits gibt es nun die Möglichkeit Fallen einzusetzen. Das ist ein neues Element in den Szenarien, da der Gute-Spieler neben den Fallen auch Täuschungsmarker aufstellt und der Böse-Spieler nicht weiß, wo nun die Fallen sind. Insgesamt gibt es drei verschiedene Arten, die den Gegner eher behindern als ausschalten.
Es wird sicher taktisch eine nette Herausforderung sein, die Fallen vernünftig einzusetzen.

Bemalanleitungen
Anders als in den anderen Regelwerken, wird hier kein einzelnes Modell als ganzes bemalt, sondern die Kleidungspartien der Hobbits. Hier bekommt Ihr Ideen, wie Ihr Hosen, Schürzen, Hüte, Hemden, Kittel, Jacken und Umhänge bemalen könnt.
Natürlich lassen sich dadurch unzählige Farbschematas erschaffen, was zu wunderschönen Hobbit-Armeen führt. Eine sehr gute Idee, die alle Hobbisten zu Variationsfreude animiert. Sicherlich kann man auch für andere Minaturen als Hobbits diese Anleitungen verwenden.
Auch das Böse kommt hier nicht zu kurz: Bemalanleitungen für reiterlose Warge und besonders die neuen Weißen Warge runden diese Rubrik ab.

Szenarios
Sage und schreibe 12 Szenarios bietet diese Erweiterung. Im Gegensatz zu den anderen Regelwerken werden hier nur wenige Figuren benötigt. Ihr dürft dabei sein, wenn die Hobbits Bauer Maggots Felder plündern, dürft an den Grenzen Scharrers Schurken vertreiben, dürft mit Paladin Tuk und Lobelia Sackheim-Beutlin den Aufstand gegen die Strolche organisieren, Euch gegen die Weißen Warge beweisen oder im Alten Wald verirrte Hobbits erretten.
Natürlich sind noch viele andere Episoden aus der Geschichte des Auenlandes enthalten. Was mir sehr gefallen hat, ist die Tatsache, dass Ihr für viele Szenarien weniger als 20 Figuren benötigt. Dies bedeutet, dass Du und Dein Spielpartner nur jeweils 2-3 Blister benötigt, um viele der Szenarien zu spielen. Auch ist die Spieldauer dadurch schön kurz, was Euch ermöglicht ein Auenlandszenario mal zwischendurch zu spielen im Gegensatz zu einer Belagerungsschlacht, womit man den ganzen Abend mit beschäftigt ist.

Geländebau
In diesem Kapitel erfahrt Ihr alles, was es braucht, in Eurem Hobbyraum ein Auenland erschaffen zu lassen.
Neben einer auführlichen Bauanleitung für eine Hobbithöhle findet Ihr Anleitungen für Blumenbeete, Zäune, Fenster, Vogelhäuser, Bänke, Gartentore und vieles mehr. Gerade diese kleineren Gegenstände lassen sich recht einfach basteln und machen Euer Auenland-Gelände außergewöhnlich.
Gerade die kleinen Dinge animieren zum Nachmachen und bringen die Kreativität richtig auf Hochtouren.
Fazit
Mir gefällt diese Erweiterung sehr gut. Mit dieser Erweiterung werden Erinnerungen an die Anfänge des Herr der Ringe-Tabletopspiels wach. Ich hatte mich damals für das Spiel entschieden, da es die unglaubliche Atmosphaere des Films aufgefangen hat. Gerade die Szenarien haben mich in die Welt von Mittelerde versetzt.
Wenn ich mir jetzt diese wunderschönen Modelle anschaue, kann ich es kaum erwarten mir welche zu holen.
Besonders gut gefällt mir, dass die Entwickler von den Mammutszenarien abgekommen sind. Hier sind keine Massenarmeen notwendig für ein schönes Spiel. Häufig reichen eine Handvoll Figuren aus, um stundenlang Spaß zu haben. Die Szenarios bieten genug Anreize und Ideen für eigene Kampagnen und Spiele.
Der Geländebaubereich inspiriert sofort eigene Hobbithöhlen zu basteln und seine Spielplatte grüner als sonst zu bestreuen. Wenn man einmal angefangen hat Blumenbeete, Vogelhäuschen, Tische und Bänke zu basteln, wird man diese Geländeteile sicher nicht mehr aus der Hand geben wollen.
Die Bemalanleitungen richten sich an Anfänger, bieten aber auch Fortgeschrittenen genug Anreize und Ideen für eigene Farbschematas.
Alles in Allem ist dies eine rund um gelungene Erweiterung, die eigentlich in keinem Tabletop-Regal fehlen sollte. Sie richtet sich insbesondere an Sammler, eingefleischte Hobbitfans, Geländebauliebhaber und Feierabendspieler.
Von mir gibt es eine ganz dicke Kaufempfehlung!













