Schon lange spielen wir Tabletop-Spiele. Haben vor ca. 10 Jahren mit Warhammer-Fantasy angefangen, dann eine Zeit lang 40K gespielt und sind nach den Kinofilmen dann zu Herr der Ringe umgestiegen, was wir jetzt auch schon gut drei Jahre lang machen. Egal was wir taten, der Bau von großen Spielplatten hat immer eine wichtige Rolle bei unserem Hobby gespielt. So entschlossen wir uns Anfang des Jahres Helms Klamm nachzubauen. Einerseits wollten wir uns von der Originalvorlage inspirieren lassen, andererseits sollte das Projekt aber auch unseren Tabletop-Ansprüchen genügen.

 

Als erstes störte uns der runde Grundriss der Burg. Bei unserer Recherche im Internet über mittelalterliche Burgen konnten wir auch keine wirklich runde Burg finden und so entschlossen wir uns, nach kurzer Diskussion für ein Achteck. Das entspricht eher historischen Vorbildern, läßt sich recht einfach aus einem Kreis konstruieren (wobei wir wieder nah bei der historischen Vorlage von Helms Klamm wären) und letztendlich läßt es sich auch einfacher bauen. Dadurch dass die Burg in einer Bergnische liegt viertelten wir schließlich dieses Achteck.

 

Unser zweiter Kritikpunkt galt dem Turm. Im Film erfüllt er lediglich den Zweck das große Horn zu tragen. Das erschien uns für ein Tabletop-Spiel zu wenig. Klassische Burgfriede sind einerseits Aussichtspunkte, dienen aber auch als letze Zuflucht für die Verteidiger einer Burg, sollten die Mauern einmal eingenommen sein. Von dort lassen sich die Angreifer gut attackieren und so ein Turm ist schwierig einzunehmen. Als Grundriss wählten wir dann auch ein Achteck (auf dem Plan ist noch ein Sechseck eingezeichnet) um eine optische Verbindung zwischen Helms Klamm und dem Turm herzustellen. Aus Platzgründen verlegten wir den Burgfried noch hinter den Klammwall. Da die Burg so angelegt ist, das sich die Verteidiger immer weiter zurückziehen können und dabei immer höher auf die Mauern flüchten sollte der Turm dann die letzte Zuflucht darstellen. Aus diesem Grund bauten wir eine Verbindungsbrücke von der letzen Burgmauer zum Turm und eine Plattform von der Bogenschützen die Angreifer beschießen können.

 

Alle Mauerzinnen ließen wir vornüberragen. Dadurch erscheint die Festung wuchtiger, der Platz hinter den Zinnen wird größer und bietet mehr Verteidigern Raum.

 

Die letzte und wichtigste Überlegung war die Lagerung der Platte. Da uns nur begrenzte Räumlichkeiten zur Verfügung stehen muss eine so große Platte (1,2 m x 1,8 m) irgendwo hin. Deshalb teilen wir sie in vier gleiche Teile zu 0,6 m x 0,8 m. Ein Teil sollte die Burg, ein anderer den Klammwall mit Brugfried tragen. Die restlichen beiden Teile waren für das Schlachtfeld vor der Burg gedacht. Wir versuchten die Burg so genau wie möglich zu planen, was sich als sehr wichtig für den Kauf der benötigten Baumaterialien erwies.

Nach vielem Überlegen und dem Besorgen der Materialien machten wir uns am 20.Feb.2004 an die Arbeit. Wir schraubten die vier Bodenteile provisorisch zusammen und übertrugen den Grundriss auf die Holzplatte. Hierbei wurde es sehr wichtig auf die Fugen zu achten, an denen die Platte dann wieder auseinandergenommen wird. Schließlich soll der optische Gesamteindruck nicht durch häßliche Spalten getrübt werden.

Danach fingen wir an die Styrodurteile zuzuschneiden und auf die Holzplatte zu kleben. In die Mauern ritzten wir zuvor mit einem stumpfen Bleistift die Steinstruktur. Ebenso in alle Teile die gepflasterte Böden darstellen sollten. Macht zwar eine Menge Arbeit, ist aber recht einfach und das Ergebnis kann sich immer sehen lassen.

 

Beim Bau der Burg verwendeten wir zum Teil gekaufte Platten (Styrodur-Versand im Internet für Architekturbedarf), zum Teil auch kostenlose Reste aus dem Müllcontainer einer Baustelle (ein nettes Wort zum Polier bewirkt da meistens Wunder und spart viel Geld). Fassadenteile aber sind besser aus gekauften Platten herzustellen, da sie meist unbeschädigt sein müssen, was bei den Bauresten nie der Fall ist.

 

Die Mauertürme schnitten wir aus einzelnen Styrodurklötzen, oft in mehreren Scheiben die wir dann wieder zusammenklebten. Zu unserer Überraschung war schon nach einer Woche die deutliche Festungsstruktur zu erkennen.

So arbeiteten wir dann täglich weiter am Styrodur-Kern von Helms Klamm. Es kam die zweite Festungsmauer hinzu, der Hof wurde gestaltet, die Front der großen Halle entstand und wie man auf dem nächsten Bild schön sehen kann, wurde der Turm mit seiner Brücke begonnen.

Wieder eine Woche später war es dann soweit die Gestaltung des Felsentals anzugehen. Erst schraubte wir die weiteren vier Holzplatten als Begrenzungswände um die Bodenplatte und mit der Stichsäge schnitten wir sie an der oberen Kante unregelmäßig ab. Wir benutzten Bauschaum mit dem wir sehr gute Erfahrungen gemacht haben um die Felsen zu modellieren. Hier ist zu beachten, dass der Schaum wirklich nur sehr, sehr dünn aufgetragen wird, weil er sich im Volumen vervielfacht. Auch sollte er von unten noch oben und immer in kleinen ?Tropfen? aufgetragen werden. Manchmal besser zwischendurch trockenen lassen, denn sonst senkt sich die ganze Pampe und ihr habt irgendwann einen riesen Berg am Boden, während oben gar nichts mehr ist. Außerdem klebt das Zeug wie Hölle. Eure Finger könnt ihr mindestens zwei Tage lang mit Kernseife schrubben, echt. Wenn der Schaum dann komplett durchgetrocknet ist (das heißt auch innen drin) kann man ihn recht einfach schnitzen. Wir haben verschiedene Messer benutzt und versucht eine Felsenstruktur hinzukriegen.

So wuchs die Burg von Tag zu Tag und viele kleine Ideen entwickelten sich dabei. Hinter den Klammwall legten wir einen Teich an (wie im Film) und davor einen Bach. Allerdings bekam er noch einen kleinen Wasserfall und wir klebten Gollum auf einen der Felsen.

 

In den Klammwall schnitten wir eine herausnehmbare Lücke um die Erstürmung realistisch nachspielen zu können. An die Mauern hingen wir noch Banner und der Turm bekam eine Fahne. In der Festung plazierten wir Modellbaufässer und Kisten um sie lebendiger zu gestalten.

 

Vor die große Halle klebten wir zwei Figuren von Aragorn aus dem Ü-Ei. Eine intakt, die andere auf die Hälfte gekappt. Beide mit Strukturfarbe bestrichen (Farbe mit Sand vermischt) und trockengebürstet. Der Eingang bekam noch ein richtiges Tor aus Balsaholzleisten, Green-Stuff und Scharnieren aus Silberdraht. Manche Durchgänge versahen wir noch mit Fackeln aus Zahnstochern, Draht und Green-Stuff.

Zwischen den Arbeiten an der Festung gestalteten wir auch das Schlachtfeld davor. Es wurde ein kleiner Sumpf angelegt (Schilf aus Pinselborsten, Wasser aus Klarlack ? als Gag klebten wir noch kleine Farbkopien toter Krieger unter den Lack) und eine Ruine eines Gebäudes als Deckung für die Angreifer.

 

Immer wieder wurden Teil der Anlage bemalt und trockengebürstet, Steine ? echte und falsche, ganze oder zerbröselte, teils mit Sand vermischt ? aufgeklebt usw. Mit dem Bastelmesser haben wir dann noch die Mauern mit Rissen und Löchern versehen um sie älter aussehen zu lassen.

 

Schließlich nach etwa 5 Wochen Arbeit war die Helms Klamm Spielplatte fertig und wurde mit einer großen mehrtägigen Schlacht eingeweiht.

Insgesamt haben wir zu sechst etwa 1 bis 2 Stunden täglich (mal mehr mal weniger) an diesem Projekt gearbeitet. Auch waren nicht immer alle beteiligt, mal hatten wir aber auch große Bausessions bei denen alle mitarbeiteten.

Material

Materialkosten ca. 150,- EUR

 

  • Styrodur aus dem Müllcontainer
  • Styrodur gekauft, 6 Stück Stärke 6 cm, 30 x 60 cm (unsere Mauern sind 6 cm stark) 8 Stück Stärke 2 cm, 40 x 60 cm
  • Leimholzplatten 9 mm stark, 6 Stück 60 x 80 cm (vier für die Platte, zwei für die seitlichen Felswände) und 2 Stück 60 x 60 cm (für die hinteren Felswände)
  • Ca. 3 m Holzleiste 8 x 8 cm (um die senkrechten Platten an den Bodenplatten zu befestigen)
  • Einige Balsaholzleisten (für das Tor und die Schießscharten darüber) - Green Stuff (für die Türbeschläge)
  • Silberdraht (für die Türscharniere)
  • Dispersionsfarbe in weiss, schwarz, braun und grün - Aquariumsand (schön feinkörnig und sauber)
  • Kleine Kiesel (auch fürs Aquarium oder vom Parkweg) - Modellbaumoos (für die Sträucher)
  • Zwei große Tuben Holzleim (schnelltrocknend)
  • 1 ? 2 Tuben elastische Spachtelmasse für innen (um Fugen und Ritzen zwischen den einzelnen Bauteilen abzudichten)
  • Eine Tube Bauschaum (für die Felsen)
  • Glanzlack (für das Wasser)
  • Eine Hand voll Schrauben
  • Eine Tube normalen Klebstoff
  • Sekundenkleber
  • Eine Tüte Modellbaulanggrass
  • Kleine Äste und Stöcke aus dem Wald
  • Und was ihr noch so alles auf eurer Platte unterbringen wollt 

 

Abschließend haben wir die ganze Festung mit Mattlack übersprüht zum Schutz gegen Beschädigung (nehmt aber nicht das billige Zeug aus dem Baumarkt (glänzt meistens nach dem trocknen), sondern das Gute aus dem Künstlerbedarf. Wir nehmen es auch um die Bemalung unserer Zinnminiaturen zu schützen.

Werkzeug

  • Styroporschneider (ganz wichtig, haben wir uns für wenig Geld selber gebaut)
  • Bohrmaschine
  • Stichsäge
  • Bandschleifer (damit läßt sich Styrodur super schleifen)
  • Hammer
  • Säge
  • Schraubenzieher
  • div. Schraubzwingen
  • Feilen
  • Schleifpapier
  • Bleistifte, Filzstifte Lineal, Geodreieck
  • div. Messer
  • Bastelmesser mit auswechselbarer Klinge
  • div. Pinsel in verschiedenen Größen und Stärken, weich und hart

 

Soweit zu unserem Baubericht. Ich hoffe ich habe nichts vergessen und es hat euch ein wenig geholfen über unsere Erfahrungen zu lesen. Vielleicht inspiriert es euch ja auch zum Bau einer großen Tabletop-Spielplatte. Uns hat es jedenfalls riesigen Spaß gemacht.

 

 

Euer King Of Thiefs

 

 

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