Der Turm

Der Turm ist das wache Auge und der strategisch wichtige Punkt einer jeden Burg. Für diesen Bauabschnitt wollte ich einen Rundturm haben. Da ich allerdings hierfür weder eine Skizze noch Baupläne angefertigt hatte musste ich improvisieren.

Zu Begin solltet ihr euch überlegen welchen Durchmesser euer Turm haben soll und wie hoch er wird. Wenn ihr euch nicht sicher seid, wie er sich in die Burg einfügt, fertigt eine Schablone an und legt sie an die Postion, an der der Turm  später ungefähr stehen soll.

Der Kern - kreisrund muss er sein, aber wie?

Es gibt wohl mehrere Möglichkeiten diese Form herzustellen oder schon vorhandene zu benutzen. Angefangen mit Pappe die man zusammen rollt und verklebt oder Papprollen, die man auf die richtige Größe zurechtschneidet. Es sollte aber aus dem gleichen Material (schon alleine der Mauermuster wegen) gemacht werden wie der Rest der Burg: Selitron.

Die Lösung ist Thermik und Reibung

Die Platten vorher leicht an der Oberfläche mit einem handelsüblichen Haushaltshaarföhn erwärmen. Anschließend mit beiden Händen (Handflächen nebeneinander auflegen) die Platten vorsichtig über eine Tischkante ziehen und mit leichtem Druck reiben. Zug um Zug den Druck erhöhen und mit den Händen eine stärkere Wölbung bilden, damit das Material in die Biegung kommt.

Habt Geduld, sonst wird euch jede Platte brechen. Der erste Versuch den Zylinder aus einem Stück herzustellen schlug fehl, da das Material bei einem gewissen Grad brach und auch irgendwie nicht richtig  rund wurde. Handwerklich begabtere Hände vollbringen es vielleicht eher wie die meinen. Also entschied ich mich den Turm aus mehreren Platten zu formen die jeweils
in einem Halbkreis getrimmt wurden.

Das Gerüst

Zunächst schnitt ich 4 Platten zurecht. 2 in der Größe von B 16cm, T 19cm für den Inneren Zylinder und 2 in der Größe von B 17cm, H 19cm für den äußeren.

Nachdem die Platten des inneren Zylinders (Kern) ihre Form erhalten hatten wurde es ein wenig knifflig. Sie mussten zusammen gefügt werden. Dazu schnitt ich drei runde Platte aus dem Selitron im Innendruchmesser des Turms von 10cm aus, legte eine Platte des Kerns an und fixierte diesen mit zwei Kreisplatten (oben,unten) mit Gummis.

Danach kam die zweite Platte dran. Haltet nun die erste Platte mit der gewölbten Hand so an die Kreise dass sie gut anliegt. Die zweite Platte fixiert ihr so, dass eine Kante mit der der Ersten gerade anliegt. Drückt sie auf den Kreis bis ihr die andere Kante der ersten Platte erreicht.

Sie wird höchstwahrscheinlich über stehen. Markiert den Überstand auf der Innenseite der zweiten Platte und nehmt sie wieder aus ihrer zukünftigen Form heraus.

Mit dem Geodreieck zieht ihr nun eine gerade Linie an der Markierung der Innenseite der Platte, schneidet es ab und schaut, ob es passt. Lasst euch Zeit mit dem Anpassen, es ist ein Geduldsspiel.Wenn alles zu eurer Zufriedenheit ist klebt ihr die Platten an ihren Kanten und den zwei von drei Kreisplatten fest.

Die Kreisplatten sollten so angebracht sein, dass sich eine mittig und die andere kurz vor dem Boden des Zylinders befinden. Warum wird später klar werden. Fixiert das Ganze mit breiteren Einmachgummis an den 3 wichtigsten Punkten. Oben,Mitte,Unten. Dazwischen legt ihr normale Gummis an. Zu guter
letzt legt ihr die 3. Kreisplatte langsam ohne Leim in die obere Öffnung damit sich dieser Teil des Zylinders nicht verzieht. Später (nach dem
Trocknen) wird dieser wieder entfernt.

Die Außenhaut

Das Verfahren ist hierbei eigentlich dasselbe wie für den Innenzylinder. Bevor ihr allerdings biegt und trimmt, zeichnet zunächst die Horizontallinien für das Mauerwerk sowie für Türen, Fenster und die Zinnen ein. Danach biegt ihr die Platten und bringt sie am Innenzylinder an, schneidet sie zurecht und verklebt das Ganze.

Vergesst das Fixieren mit den Gummis nicht. Zusätzlich zu den Gummis nehmt
ihr wieder alte Wäscheklammern und Puffer (Selitronrest oder Balsaholz) um
die oberen und unteren Kanten aneinander zu drücken.

Nach dem Trocknen schneidet alle Bereiche (Fenster, Türen, Zinnen usw.), die zu entfernen sind, aus. Bearbeite das Mauerwerk wie gehabt. Beim Ausschneiden der Zinnen achtet darauf, eure Klinge in Richtung der Turmmitte zu halten.

Sollten die Stoßkanten Lücken aufweisen (wie bei mir) so gleicht diese mit
Moltofill aus und schmirgelt es nach dem Trocknen ab, damit ihr einen
halbwegs glatten Übergang hinbekommt.

Mit einem Dremel vervollständigte ich noch das Mauermuster. Zum Abschluß
schnitt ich noch einen dünnen Streifen des Selitrons aus, um den Ring am
oberen Teil des Turms als Akzent aufzukleben. Sobald dieser getrocknet war,
drückte ich mit dem Bleistift noch ein paar Kerben ein um Steine
darzustellen und feilte mit einer kleinen Rundfeile die untere Kante und oben
mit einer Flachfeile die obere Kante ein wenig ab.

Die Tür

Bei der Tür hatte ich mich mit den Größenverhältnis vermessen - ich habe das ganze zu groß ausgeschnitten. Ich wollte nun aber nicht die ganze Außenhaut  wieder abreißen. Mir kam die Idee die Tür einfach nach Innen zu versetzen.

Zu diesem Zwecke schnitt ich eine kleine Platte aus Selitron zurecht, die die Öffnung von Innen her verdecken sollte. Sie wurde nicht gebogen sondern gerade angebracht. Die Lücken glich ich wieder mit Moltofill aus. Die Türöffnung in der richtigen Größe schnitt ich aus dünner Pappe in den Maßen von
H 2,5 und B 2,5cm aus (das Höhenmaß gilt für den geraden Punkt ohne
Wölbung).

Die Pappe diente als Schablone und ermöglichte mir, die Türöffnung in die hintere Platte herauszuschneiden.

Die Tür selber zeichnete ich auf ein Stück Balsaholz, das ungefähr der Größe
der kleinen Platte, die ich zum abdecken benuzte,entsprach. Vor dem Festkleben solltet ihr die Maserungen der Tür sowie die Streben und den Türring anbringen.

Nun hatte ich Glück im Unglück. Zwar hatte ich mich vermessen und dementsprechend zu groß ausgeschnitten, aber nicht soweit, dass ich die Möglichkeit hatte, links und rechts Auskerbungen für die Säulen in der innere
Wand einzuschneiden und die Äussere noch einen kleinen Tick zu
erweiteren. Mit zusätzlichen Mustern, die ich aufzeichnete, und ein paar
kleineren Details habe ich meiner Meinung nach den Fehler wieder
ausgeglichen.

Die Treppe

Der Zugang zur Turmplattform war wieder eine kleine Improvisation. Es standen mir zwei Möglichkeiten offen: Entweder eine Leiter oder eine Wendeltreppe. Das Zweitere ist wohl die bessere Entscheidung in diesem Falle gewesen. Die Treppe besteht aus 3 Elementen.

  • Sockelplatte
  • Stufen
  • Turmplattform


Wir haben beim Aufbau des Kerns eine Platte lose hineingesteckt. Wenn ihr diese entfernt habt, nach dem Trocknen des Kerns und diese unbeschadet ist, könnt ihr sie als Sockelplatte verwenden. Wenn nicht, ist das kein Beinbruch.

Ihr benötigt 3 Kreisplatten wie zuvor beim Bau des Kerns. Um die Treppe zu erstellen, zeichnet ihr einen Kreis von der Mitte des Kreises in einem Durchmesser von 3cm auf. Nun müst ihr von der Mitte ausgehend mit der Randskala des Geodreiecks die Stufen im gleichen Größenabständen wie die übrigen Treppen anzeichnen.

Schneidet danach die Stufen aus zeichnet die Muster auf und klebt diese am äußeren Rand der Sockelplatte auf. Die Turmplattform viertelt ihr. In der Mitte zieht ihr den gleichen Kreis wie für die Treppen. Eines der Viertel schneidet ihr bis zu dem Kreis aus, was den späteren Zugang darstellen wird.

Anschließend tragt ihr auch hier die Steinmuster auf. Um nun die Sockelplatte auf der die Treppe mit der Turmplattform zu verbinden schneidet ihr 4-5 kleine Platten in der Höhe der Treppe und der Breite (Hälfte des Durchmessers eines Kreises) zurecht.

Klebt sie zunächst in Kreisform auf die untere Sockelplatte und lasst es trocknen. Danach klebt ihr die obere Turmplattform drauf und schiebt es von oben herein in den Turm. Dazu brecht noch zusätzlich die zwei verbliebenen Kreisplatte aus dem Kern (der sollte inzwischen stabil genug sein) um eure
Treppenkonstruktion auf und ab schieben zu können bis sie passt.

Habt ihr die richtige Position gefunden verklebt ihr das Ganze zusätzlich von unten her ab - fertig.

Der Zugang

Ursprünglich war der Turm als solcher nicht geplant, sondern eher als eine
Art grösserer Balkon im Halbkreis gedacht. Später hat er nicht mehr so in das Konzept gepasst und sollte einem runden Ruinenturm weichen. Beim Bau allerdings entschied ich mich für den vollständigen Turm. Als ich dann den Wehrgang angebracht hatte (Fortlauf) viel mir auf, dass der ursprünglich gedachte Eingang vom Turm keinen Platz mehr hatte (sollte direkt vom Hof aus gehen).

Also entschloss ich mich eine Art Vorhaus zum Turm zu bauen, da die Stelle der Wehrmauer einnehmen sollte die zum Haupthaus führte. Allerdings sollte sich dieser Teil dennoch in die Wehrfähigkeit integrieren.

Resultat: Ich vermischte beide Gedanken und gestaltete das Vorhaus in die Wehrmauer. Genau wie die Mauer wird hier als Basis grobes Styropor genommen. Die Zinnen wie gehabt, die Mauer zum Innenhof wird mit etwas
Fachwerk ausgeschmückt und eine Tür angebracht.

Das Dach ist aus Balsaholz, das nach der Maserung noch mit kleinen Nägelchen verziert wurde. Um das Vorhaus sowie der Fortlauf des Wehrgangs an den Turm anzupassen wurden die Kontaktflächen schalenförmig ausgeschmirgelt, angeklebt und die Lücken wieder mit Moltofill geschlossen.


So, ich hoffe ich konnte euch ein wenig inspirieren.

Euer Delariand

Leserbewertung