Ertstellen von Formen und Abgüssen
Rechtliches
Das Wichtigste vorweg: Mit dem Erstellen von Formen kann man gegen das Urheberrecht verstoßen! Dies betrifft keine selbsterstellten Objekte, beispielsweise aus Green Stuff, es sei denn ihr modelliert etwas, das selbst urheberrechtlich geschützt ist (z.B. einen Gimli im GW-Design). Es ist jedoch nicht erlaubt, von gekauften Objekten Abgüsse herzustellen - auch nicht für den Eigenbedarf. Wer selbst nicht modellieren kann oder will, für den bieten einige Firmen auch Objekte an, die man explizit abformen darf (z.B. Ebob unter http://www.ebobminiatures.com/products/licence.htm). Diese Modelle kosten allerdings teilweise ein Vielfaches des Normalpreises. Und wer auch die Form nicht selbst erstellen will, dem stehen auch einige Händler offen, die bereits fertige Formen verkaufen (z.B. Bruce Hirst, http://www.hirstarts.com/) . Wer Abgüsse aus diesen Formen verkaufen möchte, braucht jedoch in der Regel eine Lizenz des Formenherstellers. Außerdem darf man von Abgüssen solcher Formen keine neuen Formen erstellen und diese verkaufen.
Was geht, was geht nicht?
Dieser Artikel geht nur auf Materialien und Techniken ein, die jedem offen stehen, keine besonderen Maschinen verlangen und in Hobbymaßstäben bezahlbar sind. Ich beschreibe daher nur das Erstellen und Abgießen von Formen für Gips, Resin und Metall. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf einteiligen Formen, d.h. von Objekten mit mindestens einer flachen Seite. Komplexe Abgüssen wie beispielsweise Miniaturen erfordern viel Übung, Einarbeitung und spezielle Silikonformen aus mehreren Teilen, auf die ich nur kurz eingehen werde.
Latexformen
Die Formen mit dem geringsten Aufwand sind Latexformen. Latexmilch wird aus dem Kautschukbaum gewonnen und kommt bei uns als ammoniakhaltige Lösung unter dem Namen "Latexmilch" oder "Plasty-late" sowie diversen Markennamen in den Handel. Im Hobbybedarf liegen die Preise bei etwa 7 ? für 400ml. Wer große Formen oder stabilere Formen benötigt, kann im Großhandel und bei E-Bay günstig an größere Mengen gelangen. Der Vorteil von Latexmilch ist, dass sie an der Luft selbstständig aushärtet. Das abzuformende Objekt wird auf eine flache Unterlage gelegt und z.B. mit einem alten Pinsel (der danach definitiv in der Mülltonne landen wird) mit Latexmilch bestrichen. Das Ammoniak verdampft leicht, so dass eine gute Belüftung nötig ist. Je nach Dicke der Latexschicht dauert es einige Stunden (bei wenigen Millimetern) bis hin zu mehreren Tagen (bei mehreren Zentimetern) bis das gesammte Ammoniak verdunstet ist und die Latexmilch vollständig zu Gummi geworden ist. Je milchiger die Form ist, desto mehr Latex ist noch nicht ausgehärtet. Bei größeren Formen sind zwei Dinge zu beachten: Zum Einen geht es manchmal schneller und liefert bessere Ergebnisse, mehrere dünne Schichten aufzutragen und aushärten zu lassen als eine sehr dicke Schicht. Zum Anderen ist Latexmilch flüssig, so dass bei dickeren Schichten eine Begrenzung (z.B. aus Legosteinen) gebaut werden sollte, die verhindert, dass die Latexmilch quer über den Tisch fließt.
Latexformen selbst sind vom Material her sehr stabil und halten bei guter Pflege auch über 100 Abgüsse aus. Bei der Lagerung ist zu beachten, dass die Formen mit der Zeit spröde werden, also nicht ewig gelagert werden können. Außerdem sollten die Latexformen nicht aufeinander gelegt werden, weil sie sonst mit der Zeit verkleben. Abhilfe schafft Talkumpuder (aus dem Hobbybedarf oder der Apotheke), dass man auf die Formen streut, um ein Zusammenkleben zu verhindern. Talkumpuder ist beim Einatmen gesundheitsschädlich - die Formen also im Freien bestäuben und in einem verschließbaren Gefäß lagern. Talkum lässt sich mit Wasser gut abspülen.
Der Vorteil der Latexformen liegt im geringen Preis und der einfachen Handhabung. Nachteile sind die begrenzte Haltbarkeit und die Tatsache, dass die Form nicht größengetreu ist, d.h. ein Abguss der Latexform ist etwas kleiner als das Original.
Leider habe ich derzeit keine Latexmilch hier, sollte größeres Interesse bestehen, kann ich gerne einen Artikel speziell zu diesem Thema schreiben. Eine alte fertige Form kann ich aber zeigen. Es war der Versuch ein Wappen aus Ton und eine Falltür abzuformen. In die Bretter der Falltür habe ich ein Holzmuster geritzt, das kommt aber beim Guss überhaupt nicht durch. Auch ist es nacher fast unmöglich, auf dem Wappen etwas zu gravieren. Hier sollte man schon deutlicher modellieren (eine gute Falltür in ähnlichem Stil und ein Wappen mit Gondormuster, nur etwas größer, habe ich später bei Rusus gekauft, der scheint sie aber nicht mehr im Programm zu haben).
Die Vorlage war aus selbsthärtendem Ton (rechts die Vorlage, links ein Abguss mit Baumarktgips). Das Fass war mein erster Versuch mit Zinn, aus Fimo geformt und mit bösen Windpfeifen (komme ich später drauf zurück), schief und fast unbrauchbar. Aber für den ersten Versuch immerhin als Fass erkennbar. Bessere Varianten, insbesondere im Maßstab (mein Fass ist so hoch wie eine Figur geraten) gibt es bei Rusus und gab es früher bei Ebob (der hat nur noch Ölfässer im Angebot).
Ölsand
Hinter Ölsand versteckt sich genau das, was man erwartet: Ein meist rötlicher, ölhaltiger Sand, den man sehr fein in Form bringen kann und der diese Form anschließend hält. Ölsand ist nicht teuer (500g etwa 7-8 ?), aber nur im sehr gut sortierten Künstlerbedarf erhältlich. Er ist unkompliziert in einer geschlossenen Dose oder Tüte fast unbegrenzt lagerbar. Ölsand kann nur für sehr einfache Formen verwendet werden, da man ein Objekt hineindrücken können muss und es anschließend herausnehmen können muss ohne den Abdruck zu zerstören. Um die Form zu erstellen wird der Ölsand in eine flache Dose gegeben und möglichst gut geglättet. Das abzuformende Objekt wird in den Ölsand hineingedrückt, so dass die Objektkante mit der Sandkante abschließt. Jetzt kommt der schwierige Teil: Das abzuformende Objekt muss wieder aus dem Sand herausgenommen werden ohne den Sand - also die Form - zu verändern. Hat man den Sand gut geglättet und zusammengedrückt, kann man die Form einfach umdrehen und das Objekt fällt heraus.
Das Abgießen ist einfach: Die Gießmasse wird in die Form gegossen und nach den Aushärten kann das fertige Objekt entnommen werden. Klingt einfach und hat auch zwei Nachteile: Die Form ist nur für einen Abguss zu gebraucht, danach muss sie neu erstellt werden. Und zweitens ist mit Gips ist kein guter Abguss möglich. Objekte aus Gips verkleben mit dem Sand und man bekommt rötliche und mit Sand verkrustete Abgüsse, die höchstens noch für Ruinen taugen. Da Ölsand hitzebeständig ist, kann man auch einfache Zinnabgüsse anfertigen.
Hier ein kleines Beispiel eines Schildes im Elbenstil aus GreenStuff, der mit Ölsand abgeformt werden soll. Zuerst die der Ölsand, unten lose wie man ihn bekommt, oben in eine Plastikform gefüllt.
Sílikonormen
Silikonformen sind das Mittel der Wahl wenn es um hochwertige und haltbare Formen geht. Es ist preislich deutlich teurer als Ölsand oder Latexmilch (500g-Dose kostet 30-40 ?), kann aber dafür auch viel mehr. Es gibt verschiedene Silikonmischungen für diverse Anwendungen, von denen im Hobbybereich aber nur zwei sinnvoll einsetzbar sind: HB (meist rötlich gefärbt, hitzebeständig, für Zinn- und Bleiabgüsse) und HE (meist blau oder grün gefärbt, hochelastisch, für alles andere). Silikonformen zu erstellen braucht Übung und man sollte für die ersten Versuche nicht gerade sein Paradestück abgießen wollen. Im Gegensatz zu Latexmilch härtet Silikon nicht selbst aus, sondern es wird ein Vernetzer hinzugegeben. Zum Mischen bietet sich der untere Teil eines Tetrapaks an. Es ist stabil und kann gut zu einem Ausguss verformt werden. Beim Anrühren von Silikon und Vernetzer sollte man mit einer guten Digitalwaage arbeiten und sich penibel an die Angaben des Herstellers halten. Es werden meist nur wenige Tropfen Vernetzer hinzugegeben und verrührt. Ab jetzt tickt die Uhr und man hat nur wenig Zeit das Silikon zu verarbeiten, bevor es aushärtet. Da Silikon sich an so ziemlich jedem Material gerne festsetzt gibt es spezielles Teflonspray, mit dem man das abzuformende Objekt vorher einsprühen sollte, um es nachher leichter vom Silikon trennen zu können. Hat man alles richtig gemacht, erhält man am Ende eine stabile und langlebige Form.
Silikonformen sollten nach jedem Abguss gut mit kalten Wasser abgewaschen werden. Es darf keine Seife oder Spülmittel verwendet werden, da es in höherer Konzentration das Formmaterial angreift. Die Formen lassen sich gut lagern, verkleben aber ähnlich wie die Latexformen miteinander, so dass auch hier Talkumpulver Abhilfe leistet (Gesundheitshinweise beachten). Leicht mit Talkum gepuderte Formen liefern auch meist bessere Abgüsse.
Komplexe Formen
Um ein komplexeres Objekt abzugießen wird meistens eine mehrteilige Form erstellt, die speziell an die Form und besonderheiten des Objekte angepasst werden muss. Soll beispielsweise ein Fass aus Zinn gegossen werden, so ist das Fass in der Mitte sehr bauchig. Die Öffnung der Form über die der Zinn eingegossen wird hinterlässt immer einen dicken Gussgrat, der aber nicht so breit sein soll wie das Fass an der breitesten Stelle. Hier wird die Form also auf "Bauchhöhe" geteilt. Zuerst wird die Form nur bis zu dieser Höhe erstellt und am Außenrand werden einige Stücke ausgeschnitten, damit die Formhälften später wie ein Schloss zusammenpassen und dadurch besser sitzen. Anschließend trägt man ein vaselineartiges Trennmittel auf die Form auf, um zu verhindern, dass die nächste Hälfte der Form mit der ersten zusammenklebt. Dann wird die zweite Hälfte der Form gegossen. Am Ende wird in die fertige Form mit einem sehr scharfen und feinen Messer eine Eingießöffnung geschnitten. Je nach Objekt werden die ersten Abgüsse an einigen Stellen "Löcher" haben. Dort war Luft, die nicht entweichen konnte und daher ist dort auch kein Zinn. An dieser Stelle muss in die Form ein kleines Loch geschnitten oder gebohrt werden, durch die die Luft entweichen kann. Diese sogenannten Windpfeifen sieht man als Zinnfäden an so ziemlich jedem Tabletop-Modell. Wichtig: Die Öffnung jeder Windpfeife muss natürlich höher liegen als der höchste Punkt des Modells, da sonst der Zinn nicht mehr bis oben in die Form läuft, sondern vorher den einfacheren Seitenweg einschlägt.
Eine Kunst ist es auch, die Form zu aufzuteilen, dass die Nähte an möglichst unauffälligen Stellen verlaufen (z.B. nicht mitten durch ein Gesicht) und die Form so zusammenzusetzen, dass die Nähte möglichst klein sind. Dazu gibt es auch einige Tricks, die aber den Rahmen dieses Artikels sprengen würden. Das soll dann auch zu mehrteiligen Formen gewesen sein. Wer mehr darüber wissen möchte, kann mir gerne eine PM schreiben.
Fertige Formen
Wem das Erstellen einer Form zu aufwändig oder zu kostspielig ist, der kann bei einigen Händlern auch fertige Formen kaufen. Insbesondere für Felsformationen und Steine gibt es im Eisenbahnbedarf eine größere Auswahl. Diese Formen sind meist industriell aus Kunststoffen gefertigt und besonders robust. Für Tabletop-Spieler dürfte auch Bruce Hirst (http://hirstarts.com) ein bekanntes Beispiel sein. Seine CastleMolds aus HE-Silikon sind schon lange erhältlich und untereinander größenkompatibel.
Ein Beispiel ist diese Form für flache Steine aus dem Eisenbahnladen, inkl. Abguss. Die Steine sind ca. 3-8cm lang.
Abgussmaterial
Die Form ist gekauft oder erstellt, aber womit erstellt man jetzt einen Abguss? Modellgips oder doch besser teuren Zahnarztgips?
- Modellgips
Modellgips ist im Baumarkt erhätlich und kostet ca. 1 ? / kg. Doch auch hier bewahrheitet sich: Was günstig ist, ist von billig nicht weit entfernt. Modellgips ist für Formen im Tabletop-Maßstab zu grob und ist nicht fließfähig genug. Feinere Strukturen und Vertiefungen werden nur mit viel Mühe luftblasenfrei abgegossen. Einziger Vorteil nebem dem Preis und der Verfügbarkeit ist die Toleranz beim Anmischen. Normaler Gips kann nach Augenmaß angerührt werden und auch etwas mehr Wasser hat keine größeren Auswirkungen. - Zahngips
Klingt nach Zahnarzt, ist auch so. Es gibt eine ganze Reihe sogenannter Dentalgipse verschiedener Härtestufen. Je höher die Härtestufe, desto fester ist der Gips nach dem Aushärten. Die Skala reicht je nach Hersteller von 1 für normal hart bis 4 oder 5 für super-hart. Dentalgipse sind fließfähiger als normaler Gips, aber man muss zum Anrühren eine gute und genaue Waage bemühen. Zu viel Wasser verhindert meist ein gutes Aushärten und der Abguss kann leicht zerbröselt werden. Die Preise reichen von 1 ? / kg bis zu 3 ? / kg. Absolut empfehlenswert ist "Sockelgips FL", ein Zahngips der Härte 5 für etwa 2,80 ? / kg. Das Verhältnis Wasser zu Gips liegt bei ganzen 23:100! Er wird flüssig wie sehr dünnflüssiger Sirup, ist leicht in die Form zu gießen und härtet innerhalb von 12 Minuten soweit aus, dass man ihn aus der Form nehmen kann. Zahngipse bekommt man auch über das Internet beim Dental-Bedarf in Gebinden zwischen 1 und 25 kg. Wer mehr wissen möchte, kann sich gerne per PM bei mir melden. - Abgüsse mit Gips
Als Vorbereitung benötigt man neben dem Gips und dem Wasser: Ein Handtuch, einen Becher mit leicht geseiftem Wasser, einen Pinsel und entweder eine Spachtel (ideal ist eine sogenannte Japanspachtel) oder ein Lineal. Die Form wird mit dem Pinsel mit dem leicht geseiften Wasser eingepinselt. Da Seife nach einiger Zeit das Silikon angreift, sollte dies erst unmittelbar vor dem Abgießen erfolgen. Die Form wird anschließend gegen das Handtuch geschlagen, um überschüssiges Wasser aus der Form zu entfernen und nur einen hauchdünnen Wasserfilm zurückzulassen. Der Wasserfilm bricht die Oberflächenspannung und verhindert einen Großteil der Luftblasen, die sich beim Gießen in der Form festsetzen könnten. Auf einer guten Waage wird anschließend der Gips angerührt und in der Form verteilt. Dabei sollte man so wenig Luft wie möglich in den Gips einrühren, damit der Abguss so gut wie möglich wird.
Jetzt gilt es, mögliche Luftblasen die noch in der Form festsitzen loszuwerden. Dazu kann man die Form hin- und herbewegen und ordentlich auf den Tisch hauen. Wer eine Rüttelplatte besitzt ist hier natürlich im Vorteil - alle anderen dürfen gerne basteln. Dabei kann man vom Massagegerät einen großen Kaffeerösters bis hin zu Papierrüttlern aus Firmeninsolvenzen vieles dafür zweckentfremden. Anschließend sollte die Form einige Minuten ruhen, bis der Gips langsam abbindet. Bevor der Gips zu fest wird, glättet man noch mit dem Stahllineal oder der Spachtel die Oberfläche, so dass alles bündig abschließt. Durch den Wassergehalt wölbt sich überschüssiger Gips nach oben und ein Stein wäre so unten rund statt flach und würde sich nicht gut verarbeiten lassen.
Wenn der Gips hart ist, kann man aus der Form entfernen. Im Inneren der Abgüsse ist jedoch noch ein Großteil des Wassers gebunden, so dass der Stein noch durchhärten muss. Ungeduldige können die Steine auf der Heizung, in der Sonne oder einfach bei 60° im Backofen schnell trocknen.
Sonstige Materialien
- Resin
Resin kommt dort zum Einsatz, wo selbst Gips versagt. Wer beispielsweise einen feinen Zaun mit Blätterwerk abgießen will, wird mit Gips nur Bruchstücke bekommen. Bei sehr feinen Formen, die leicht abbrechen sollte man Resin verwenden. Resin selbst wird aus zwei Komponenten gemischt und härtet dann selbst aus. Es ist deutlich teurer als Gips, aber in verschiedenen Farben und auch transparent erhältlich (der unsichtbare Frodo ist beispielsweise aus Resin). Problematisch ist Resin jedoch für Silikonformen: Man muss ein entsprechendes Schutzspray benutzen, da sonst die Resinbestandteile das Silikon angreifen und die Form zerstören. - Zinn
Zinn ist generell nur für Ölsandformen und HB-Silikonformen geeignet. Wer Zinn in Latexmilch oder nicht hitzebeständiges Silikon gießt, bekommt nicht nur keinen schönen Abguss, sondern zerstört in jedem Fall auch die Form. Zinn ist als Gießzinn im Handel oder bei E-Bay erhältlich. Es wird in Barren oder Stangen verkauft und ist kein reiner Zinn (dieser ist leicht spröde), sondern eine Legierung mit Blei und Antimon. Man sollte wegen des Bleis nichts abgießen, was mit Nahrung in Kontakt kommt. Die Preise variieren sehr stark; ich habe meines im Eisenwarenhandel für 9 ? / kg bekommen. Zinn schmilzt bei 230°C und wird das Gefäß in dem es geschmolzen wird nie vollständig verlassen, sondern immer einen kleinen Film zurücklassen. Es gibt spezielle Schmelzöfen, die das Zinn selbst verflüssigen und bereitstellen - das dürfte aber das Budget der meisten übersteigen. Es hat sich bei mir eine Porzellan-Kasserolle über einem Teelicht sehr bewährt. Man braucht beim Schmelzen vor allem Geduld und darf nicht sofort losgießen, wenn es gerade flüssig ist. Zinn kühlt an der Luft schnell ab und ihr wollt das Zinn ja flüssig in die Form bekommen. Also auch das flüssige Zinn noch weiter erhitzen.
Vor dem Eingießen in die Form sollte eine Schutzbrille und Handschuhe angelegt werden. Wenn man zu schnell gießt und die Einflussöffnung verstopft, wird die Luft in der Form erhitzt und als Luftblase nach oben steigen. Dabei sprizt zwangsläufig heißes Zinn heraus. Das Eingießen sollte daher langsam, aber gleichmäßig erfolgen. Wer zwischendurch stoppt, riskiert, dass der Abguss an dieser Stelle instabil ist und in zwei Hälften zerbrechen kann. Das Zinn kühlt in der Form recht schnell ab. Nach einigen Minuten (je nach größe des Abgusses) kann die Form geöffnet und der heiße (meist noch über 100°C) Abguss zügig in Wasser getaucht werden. Das Wasser sorgt für eine schlagartige Abkühlung und nach wenigen Sekunden kann man den Zinn in die Hand nehmen. Hat man einen schlecht fließenden Zinn erwischt, so kann man ein wenig (ca. 1%) Bismut hinzufügen. Bismut ist in kleinen Kügelchen erhältlich und wird auch manchmal als sogenannter Fließverbesserer beworben. Insgesamt braucht man für Zinngießen deutlich mehr Material als für alle anderen Verfahren:
Fazit
Ich hoffe dieser, doch recht lang gewordene Artikel hat die Möglichkeiten und Schwierigkeiten von Formen und Abgüssen ein wenig zeigen können. Während das Abgießen für jedermann machbar ist, so stellt das Formenerstellen eine Kunst dar. Soweit ich kann, versuche ich Fragen per PN gerne zu beantworten. Sollte an einzelnen Themen größeres Interesse sein, kann ich gerne in einem späteren Artikel genauer darauf eingehen.
Lestat













