Rezension: Der Schatten im Osten

Von Stephan

Natürlich musste in diesem Heft, passend zum Thema, auch eine Rezension zur GW-Erweiterung ?Der Schatten im Osten?her. Das war dieses Mal Chefsache. Im ersten Teil werde ich das Erweiterungsbuch mal genau unter die Lupe nehmen, im zweiten Teil des Artikels werfen wir einen Blick auf die Plastikbox der Ostlinge.

Das Buch

Schon die Information, dass das Buch 48 Seiten umfassen sollte, hatte mich ein wenig enttäuscht. So musste ich doch den gleichen Preis (ca. 15 Euro) wie für frühere Bücher zahlen, die mit 64 Seiten um einiges quantitativer waren. Leider war ich von den Ostlingen so angetan, dass ich mir das Buch natürlich kaufen musste. Das Buch ist leider Softcover, weshalb es bei mir schon anfängt, abzublättern, obwohl ich recht sorgsam mit ihm umgegangen bin. Das Cover an sich gefällt mir wiederum gut, sowohl das Titelbild als auch das Bild hinten ist sehr ansprechend.

Der Hintergrund

Wie jedes Erweiterungswerk von GW beginnt auch dieses mit ein paar Seiten Hintergrund. Diesmal wird dieser Bereich des Buches gedeckt durch 2 Seiten Text und zwei ,eine Doppelseite umfassenden, Karten. Auf der einen Karte kann man wunderbar den Verlauf der Kampagne beobachten, was den Wert dieses Teils des Buches für mich ausmacht.

Die Szenarios

Eigentlich der zweitwichtigste Teil des ganzen Buches (nach den Profilen), wird der Szenarioteil des Buches bei mir zum Hauptkritikpunkt. Ein Standardhobbyist
wird 5 der 8 Szenarios kaum Spielen können, es sein denn, er hat im Lotto gewonnen. Schade zu sehen, dass in den Szenarios nie eine ganze Box
Ostlinge benötigt wird, aber du in einigen ohne 2 Boxen Reiter von Khand oder Ostlingkataphrakten nichts machen kannst, es sei denn, das angebotene Alternativszenario zu spielen, was jedoch den Flair des Szenarios ausbremst. Den Höhepunkt erreicht das Buch auf der letzten Seite: Ein Szenario mit
Baumbart, 3 Adlern und einem ganzen Haufen metallenen Reitern: No Chance!
Zur Kampagne: Diese besteht aus 4 Szenarios, wobei man hier die ersten drei auch mit kleinerer Geldbörse noch spielen kann. Hier legt man Wert auf kleinere Scharmützel. Schön gemacht: Mal ist die gute Seite die Angriffsmacht, mal die Böse.

Die Profile

Der wichtigste Teil das Buches macht diese Defizite allerdings wieder wett: GW hat es geschafft, den selbst erfundenen Helden immerhin noch eine nette Sonderregel zu verpassen und sie somit für verschiedene Armeen nützlich zu machen: Kämpfst du mit Gondor gegen einen Ringgeist, packst du mal Cirion mit in deine Armee: Der Junge besteht seine Muttests für entsetzliche Kreaturen leichter, er bekommt einen Bonus auf den Mutwurf. Gibt es eine Verstärkung, für welche man würfeln muss, wann sie denn kommt, so ist man mit Madril gut beraten, denn er bekommt ebenfalls einen Bonus auf solche Verstärkungswürfe. Besonders gefallen mir die Streitwägen. Als monströse Reittiere entledigen sie sich selbst einer kleineren Reiterstaffel optimal. Mit den östlichen Völkern Rhûn und Khand kann man nun eine eigenständige und durchschlagskräftige Turnierarmee zusammenstellen, die es in sich hat.

Bemalanleitungen

Die Bemalanleitungen erstrecken sich über vier Seiten des Buches. Hier wird schemenhaft fast die komplette Streitmacht der bösen Seite bemalt, zwar kein EavyMetall-Standard, aber in guter Tabletopqualität. Hierbei wird nicht jeder Schritt einzeln geschildert, sondern einzelne Partien vergrößert und die Akzentstufen aufgezählt. Für Anfänger sind diese Anleitungen somit schwerer zu verstehen, da zumeist nicht alle Partien der Modelle beschrieben werden, sondern nur die Wichtigsten.

Geländebau

Wirklich positiv überrascht hat mich der Geländebau: Mit Palisaden, Zelten und Türmen lässt sich auf recht simplen Weg ein kleines Ostlinglager aufbauen,
und das Highlight des Buches, der große Tempel, ist mit Sicherheit ein Hingucker
auf dem Spielfeld. Im Gegensatz zum Bemalanleitungenbereich wird hier alles Schritt für Schritt beschrieben, lediglich die Bemalung des Modells wird dann wieder nur schematisch dargestellt.

Die Box

Auch die Box der Plastikostlinge muss man von zwei Seiten betrachten. Auf der einen Seite gibt es keine Plastik-Krieger im Herr der Ringe Tabletop, die so detailliert sind wie diese. Fertig bemalt reichen sie von der Qualität nahe an ihre alten Metallkollegen heran. Minuspunkte sammelt die Box wie auch das Buch schon in der Beschreibung: Die Aufteilung 8 Schwertträger 8 Bogenschützen
und 4 Speerträger bremsen die neue taktische Besonderheit, die Phalanx (Ostlingspeere können wie Piken eingesetzt werden), völlig aus: Will man einen starken Infanterieblock aufstellen, wird man gezwungen sein, einige der Metallkrieger zu kaufen oder die Anzahl der Boxen zu erhöhen. Außerdem sind die Ostlinge kompliziert im Zusammenbau: Jeder Kopf wird einzeln geliefert, d.h. jeder Kopf muss extra rangeklebt werden, neben den Köchern der Bogenschützen, den Speeren der Speerträger und einigen Schilden der
Schwertträger. Alles in allem gefällt mir diese Box gerade aufgrund ihrer Qualität wirklich gut.

Fazit

Wer auf tolle, schnelle Szenarios aus ist, der sollte sich überlegen, ob er die ca. 35 Euro für diese Erweiterung (Buch + Box) ausgibt. Wer jedoch vorhat, eine Armee aus Rhûn und Khand aufzubauen oder es zumindest in Erwägung zieht, sollte zuschlagen! Ich gebe den Produkten 8 von 10 möglichen Punkten.