Die Bösen sind doch eigentlich arm dran. Diese Rohan- oder Gondor-Fuzzies verstecken sind hinter dicken Mauern und auf hohen Türmen und den lieben kleinen Orks bleibt nichts anderes übrig als auf Leitern zu klettern und eins auf die Mütze zu kriegen. Ziemlich unfair!

 

Als die ersten Meldungen und Berichte zum Kauzenburg-Con (Usertreffen auf der Kauzenburg) auftauchten, machte ich mir natürlich auch Gedanken. Was soll ich an Gelände mitnehmen? Klammwall, Minas Tirith, Moria? Alles bestimmt schon da. Dann kam mir die Idee mit der Festung für die böse Seite. Wann und wo eine böse Festung tolkiengerecht belagert wurde, weiß ich zwar nicht, aber vorstellen kann man sich das allemal.

 

Da ich ja kein Freund von ganzen Spielplatten bin und das Gelände ja auch zur Kauzenburg transportiert werden muss, habe ich mich mal wieder für eine modulare Geschichte entschieden.

 

Der vorliegende Artikel stellt somit den Anfang für eine Artikelserie dar, in der die Planung und der Bau einer solchen Festung dargestellt wird. Die Artikel verstehen sich nicht als 1:1-Nachbau-Anleitung, sondern eher als Inspiration, wie man so ein Projekt angeht und umsetzt. Es soll aber auch eine Dokumentation meines Festungsbaus sein, so dass es auch durchaus vorkommen kann, dass bestimmte Teile wieder eingestampft werden oder Details im Nachhinein verändert werden. Vielleicht kommt auch was ganz anderes dabei heraus.

 

Wie dem auch sein: Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen und vielleicht auch beim Selberbauen.

1. Die Inspiration

Ich möchte einerseits nicht unbedingt wieder was aus dem Film nachbauen, andererseits bin ich aber auch nicht so kreativ, dass mir alles so von alleine einfällt. Also habe ich mal nachgeschaut, was mir an entsprechenden Bauwerken gut gefällt. Dieses Projekt wird garantiert kein 1:1-Nachbau irgendeines der dargestellten Bilder, aber die eine andere Inspiration bzw. Details möchte ich schon da raus ziehen.

2. Das Tor

Im Mers-Modul "Zähne von Mordor" ist ein interessantes Bild des schwarzen Tores abgebildet. Nicht so bombastisch, wie im Film, aber mir gefällt es sehr gut. Da lässt sich bestimmt was mit anstellen.

3. Die Mauerstruktur

Eine unnatürlich und vernarbt aussehende Mauer ist genau das, was meine Festung braucht. Da auf fast allen Teilen der Festung die Mauerstruktur zu sehen sein soll, ist dies ein wichtiger Punkt für das komplette Erscheinungsbild der Festung.

4. Der Mauerverlauf

Eine Festung des Bösen ist meiner Meinung nach garantiert nicht viereckig, quadratisch oder rund sondern unregelmäßig. Dies will ich durch kurz Mauern, mit diversen Knicken erreichen. Ob das Ganze noch in die Höhe wächst oder bergiger wird, steht noch in den Sternen.

5. Der Turm

Ein hoher Turm auf einer einsamen Felsnadel ist natürlich die Krönung. Ob und wie dies jedoch ins Modulkonzept passt, bleibt erstmal abzuwarten.

Die letzten drei Bilder stammen übrigens aus dem Kartenspiel: Middle Earth - The Wizards wie auch seinerzeit MERS von Queen Games herausgegeben.

6. Der Masterplan

Bevor mit dem Werkeln begonnen werden kann, muss erstmal das Hirn eingeschaltet werden. Das wichtigste an einer Festung sind meiner Meinung nach die Mauern und hier im speziellen die Mauerstruktur, da diese das Aussehen der kompletten Festung bestimmt. Also baue ich zuerst mal eine Standardmauer, um zu überprüfen, ob mir die Gestaltung auch nach Bemalung noch gefällt. Nichts ist ärgerlicher, als nach vielen Stunden des Basteln festzustellen, dass diese Mauerstruktur doch nicht so toll ist. Leider bemerkt man das dann erst nach der Bemalung.

Ich beginne also mit einer Standardmauer. Diese wird 15cm breit, 10cm hoch (ohne Zinnen) und 5cm dick. Ich mache mir eine Skizze von der Verteidigerseite und vom Querschnitt. Um den Querschnitt nicht noch zu verkomplizieren, werden dort keine Felsen und keine Zinnen sein.

7. Der Grundblock

Den Maßen entsprechend habe ich also erstmal einen 10x15cm großen Block aus einer 50mm Styrodurplatte geschnitten. Das Schneiden kann auf zwei Arten geschehen:

 

  1. Mit einem Messer. Achtet darauf, dass Ihr ein Messer mit einer langen festen Klinge benutzt. Das Messer muss wirklich scharf sein, damit das Material nicht ausreisst. Da das Messer beim Styrodurschneiden sehr schnell stumpf wird, solltet Ihr schon mal einen Messerschleifer parat legen. Ich verwende ein Küchenmesser von IKEA. Schön stabil und kostengünstig. Die im Modellbau üblichen Cutter sind mit zu schlabberig und sie lassen sich schlechter nachschleifen. Wie immer beim Arbeiten mit Messern: auf Finger und sonstige Körperteile achten, die rote Bemalung bringt jetzt noch nichts.
  2. Mit einem Heissschneidegerät. Mit Thermocuttern, die über einen Anschlag verfügen, lassen sich sehr gut winkelige Schnitte machen. Hier ist aber unbedingt darauf zu achten, dass der Arbeitsplatz gut belüftet ist, da beim Heissschneiden giftige Dämpfe entstehen.

8. Die Mauerstruktur (grob)

Dem Masterplan entsprechend ritze ich nun mit dem Griffel die Fugen in den Block. Der Griffel ist ein Arbeitsgerät, dass ich mir gebaut habe, um speziell in Styrodur Kerben zu machen und Fugen zu ritzen. Ein 10 bis 12mm Rundholz auf 15cm Länge gesägt wird im Anspitzer angespitzt.

 

Man hat dann im Prinzip einen Bleistift ohne Mine. Ihr könnt also auch ruhig einen Bleistift nehmen, allerdings könnte es passieren, dass dann öfter die Mine abbricht.

 

Bei der Mauerstruktur habe ich Wert auf ein unnatürliches Aussehen gelegt. Im Normalfall (z.B. Klammwall, Minas Tirith) zieht man mit dem Lineal die Fugen und legt die Steine im Verbund. Bei der Festung des Bösen sollten die Steine wie zusammengewachsen aussehen. Die Steine sollten möglichst länglich sein. Auf dem Bild kann man im Prinzip drei Versuche erkennen. Ganz links sind die Steine noch relativ rundlich, in der Mitte sehr lang gezogen und rechts sind sie schon fast wieder rechteckig. Welche Struktur ich im Endeffekt nehme, werde ich erst nach der Bemalung entscheiden.

9. Die Mauerstruktur (fein)

Nach dem ersten Ritzen muss die Mauerstruktur noch verfeinert werden. Die Kanten werden abgerundet und es werden Kerben in die Oberfläche geritzt/gedrückt, damit die Oberfläche noch unregelmäßiger wird.

10. Das erste Ergebnis

Nun habe ich also eine Mauer, die schon auf einer Seite texturiert (d.h. die Oberfläche ist gestaltet) ist.

11. Konturen

Zu diesem Zeitpunkt fiel mir auf, dass die Mauer doch recht platt und gerade aussieht. Die Rückseite habe ich deshalb noch mit dem Heissschneider bearbeitet, um sie etwas unregelmäßiger zu machen. Dies ist für die Vorderseite wegen der Zinnen allerdings schwierig. Mal sehen wie es angemalt aussieht.

12. Das erste Ergebnis (von hinten)

Von hinten sieht die texturierte Mauer doch schon recht unregelmäßig aus. Bei der Gestatlung des Bodens des Wehrganges habe ich durch Ausprobieren darauf geachtet, dass die Püppchen auch an jeder Stellen stehen bleiben können. Mauern, die nicht zu bemannen sind, taugen nichts. Beim Ritzen werden Ihr bemerken, dass die geschnittenen Flächen andere "Ritzeigenschaften" haben als die Ober- und Unterseite der Styrodurplatte. Hier sind helfende Worte recht schwierig zu finden. Wie so oft gilt auch hier: Probieren geht über Studieren.

13. Die Zinnen

Bei den Zinnen habe ich mich an das Motto "Die Zähne von Mordor" gehalten. Schön unregelmäßig sollten diese Styrodurzähne nebeneinander stehen. Die Lücken zwischen ihnen lassen auch Bogenschützen zu und helfen beim Übergang zum nächsten Modul. Die Oberseiten sind schräg abgeflacht, um noch mit Blechen beschlagen zu werden. Die Zinnen habe ich mit lösungsmittelfreiem Alleskleber (auch Weissleim ist verwendbar) angeklebt.

Die Felsen

Auf Bodenhöbe habe ich noch ein paar Felsen an die Wand geklebt, damit der Übergang von Mauer zu Boden nicht so gerade aussieht.

 

 

 

 

Und jetzt kommt noch das bisher verbrauchte Material (ohne Mengenangaben):

 

  • Styrodur, 50mm stark
  • Kleber, lösungsmittelfrei

 

 

 

 

 

 

Und die Werkzeugliste (des von mir verwendeten Werkzeugs):

 

 

  • Bleistift
  • Papier
  • Geodreieck
  • scharfes Messer
  • Stahllineal
  • Heissschneidegerät
  • Griffel

 

 

Beim nächsten Mal geht's dann weiter. Vielleicht wird die erste Mauer dann ja schon fertig. Ihr könnt Euch ja schon mal einen Namen für die Festung des Bösen ausdenken.

 

Gruß und Nice Dice

Rusus

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