Sicherlich ist dieser Titel ein sehr merkwürdiger, die Entstehungsgeschichte dieser gelungenen Geländeplatte möchte ich euch aber wärmstens zur Nachahmung empfehlen:

Meine Freunde und ich bastelten diese Platte nämlich als Geburtstagsgeschenk für unseren tabletopspielenden Freund Volker. Meine Freunde Götz, Xawa, Michael und Jörg, allesamt passionierte Rollenspieler, ließen sich leicht von mir überzeugen, ein solches Projekt anzugehen.

Wie immer bei einem Geburtstag hatten wir nur 2 Tage Zeit das Projekt anzugehen. Unser Vorteil bestand darin, dass ich all meine Erfahrung in diese Platte stecken konnte - wir mussten nichts ausprobieren.

Einkauf

Xawa übernahm freundlicherweise den Einkauf im Baumarkt, Michael besorge sehr schöne Modellbäume, ich holte den Farbenkram. Grob wussten wir schon, was wir basteln wollten. Daher konnte ich ihm im groben folgende Liste übergeben. Da Volker über ausreichend Platz in der Wohnung verfügte, bauten wir das Ding tatsächlich in einem Stück:

Baumarkt

  • Sperrholzplatte 180x120 cm (sauteuer)
  • ca. 1 kg Ponal Express (schnelltrocknender Holzleim)
  • ein Eimer Vogelsand
  • eine Styrodurplatte (60x120cmx3cm)
  • ein Beutel Aquariumskies (billiger als Modellbausteine) - wahlweise einen Parkweg plündern
  • 3-5 kg billige Spachtelmasse (kein Moltofill - ist zu teuer)

Künstlerbedarf

  • 1l Gouache Liquide Schwarz (Flüssige Gouache) z.B. von Color&Co
  • 2 Tuben Acrylfarbe im Farbton von Scorched Brown (118 ml)
  • eine Tube Acrylfarbe im Farbton von Dark Fleshtone (118 ml)
  • eine Tube Acrylfarbe im Farbton von Bestial Browne (118 ml)
  • eine Tube Acrylfarbe im Farbton von Dwarf Flesh (118 ml)
  • eine Tube Acrylfarbe weiß (118 ml)
  • mindesten einen großen Pinsel für jeden beteiligten

Modellbauladen

  • eine Beutel langes Modellbaugras "Sommerfarben"
  • eine Beutel langes Modellbaugras "sattes Grün"
  • eine Plastik Sprühflasche für Modellbaugras
  • etwas Baumbeflockung
  • Modellbaubäume nach Wahl

Ihr seht sicherlich, dass wir mit dem Material locker an die 100 Euro herankommen. Daher empfiehlt es sich, das ganze anlässlich eines Geburtstages zu machen oder gleich jedem Teilnehmer eine Platte zu bauen. Die meisten Materialien reichen für eine weitere Platte.

Unser Plan

Wir überlegten uns vorher, was man auf dieser Platte alles spielen können sollte. Die Planung macht man am besten (natürlich gilt das nur für volljährige) bei ein bis zwei Bier:

  • Auf einer Anhöhe sollte ein Kreisausschnitt von Minas Tirith Platz haben
  • Ein Tal sollte sichtbar sein (Hinterhalt wie in Angriff der Warge)
  • Ein Tunierspiel sollte austragbar sein
  • Ein paar unpassierbare Stellen sollte es geben
  • Die Miniaturen sollten überall stehen können

Die Hügelarbeiten

Wir machten uns gleich daran die Styrodurplatte zu zersäbeln und auf die Platte zu legen. Natürlich dauerte die Diskussion recht lange. Für das Schnitzen der Hügel muss man sich Zeit lassen und das Design mit Miniatuen überprüfen. Man verschätzt sich schnell, wenn man eine Steigung beuerteilt.

Sobald wir uns einig waren, schrauben wir die Styrodurplatten mit Spaxen und einem Akkuschrauber an der Holzplatte fest, nachdem wir großzügig Leim verteil hatten.

Danach machte sich jeder an die Gestaltung einer Ecke. Mir war sehr wichtig, dass unpassierbare Felsengebiete am Rand der Platte sind. Es kostete mich ein wenig Überzeugungsarbeit alle davon zu überzeugen. Meine ersten Platten hatte ich einfach viel zu vollgestellt, dadurch waren sie wenig abwechslungsreich. Diese Platte sollte man einfach mit Hilfe von modularen Geländeteilen verändern können.

Bastelgruppe

Nach den groben Arbeiten konnten sich alle in ihre Ecke vertiefen. Es war wirklich herrlich anzusehen, wie sich jeder rührend um eine Ecke kümmerte.

Interessant war, wie ich Michael und Götz instruierte, kleine und mittlere Felsen aus Styrodur zu machen. Die ersten Versuche waren nicht sehr anschaulich. Ich riet ihnen, einfach nicht hinzusehen, wenn sie die Felsen herausbrechen und kleiner machen. So schauten sie beim Felsenmachen einfach irgendwohin und siehe da - es entstanden realistische Felsbrocken.

Freilich begann bald eine Art Konkurrenzfrotzelei: "Diese Ecke finde ich toll - aber die da - bäh!" Das war aber nur Frotzelei.

Jeder kümmerte sich wirklich toll um seinen Bereich. Alleine könnte man kaum eine solche Arbeit durchhalten.

Spachteln und Sanden

Wir beschlossen den Abend stolz wie Oskar mit umfangreichen Spachtelarbeiten. Auf die leicht angetrocknete Masse strichen wir dann noch Leim und sandeten die Platte bis auf die Felsen indem wir Strukturfarbe verwendeten. Strukturfarbe ist ein GW-Begriff, der nichts anderes besagt, als dass man Leim, Wasser, Sand und schwarze Farbe zu einer zähen Pampe vermischt und auf die Platte schmiert.

Man kann allerdings auch erst leimen, dann sanden, dann noch mal mit verdünntem Leim drüber, dann schwarz grundieren. Ist etwas präziser aber für Platten ist es schon praktischer, alles in einem zu machen.

Tag 1 war vorüber und wir waren guter Dinge und hatten einen Haufen Spaß.

Die Bemalung

Die erste Bürstschicht des Sandes war eine harte Prüfung für mich: Meine Freunde sahen nur ein - Zitat - "Kackbraun". Ich redete mir also den Mund fusselig und schwor Stein und Bein, dass das noch wird. Murrend befürchteten sie, um die Früchte ihrer Arbeit gebracht worden zu sein - aber schließlich folgten sie meinen Gestaltungsvorschlägen.

Bereits bei der zweiten Bürstschicht konnte ich sie eines besseren überzeugen. Sehr zaghaft und mit einer Vorsicht, mit der man eigentlich Bomben entschärft, machten sie sich an ihre erste richtige Bürstung. Leichte Euphorie machte sich breit, als sie ihren Fortschritt sahen. Uff.

Schon beim bestial Brown war alles im Lack. Zweifel kamen nur noch, als ich das letzte Highlight mit Rosa (Dark Fleshton) machen wollte. Natürlich erklärten sie mich für verrückt, aber für viele Bodentöne funktioniert das prächtig. Hier und da kamen noch ein paar weiße Highlights.

Die Begrünung

Nach dem Bemalerfolg kam schon das nächste Misstrauen in meine Fachkompetenz:

Als ich die tolle Erde mit weißem Leim bestrich, schaute ich in fassungslose Gesichter. Irgendwie wollte mir keiner glauben, dass verdünnter Leim nahezu durchsichtig auftrocknet. Also machte ich erst mal einen kleinen Flecken mit trockenem gelblichen Gras. Die Sprühflasche ist übrigens eine ganz gute Möglichkeit, statisches Gras aufzutragen. Es lädt sich, wie der Name schon sagt, statisch auf und steht damit und durch das Pusten mit der Plastikflasche ganz gut. Ich fand das Ergebnis ungleich viel besser.

Fertige Erdpartien mit Leim zuzukleistern und zu begrünen ist allerdings ein komisches Gefühl. Alle übernahmen dann die langwierige und mühselige Begrünungsarbeit. Nach längeren Grasdiskussionen (nein keine Drogen) mischten wir das satte Grün mit dem trockenen Gelbgrün. Das ergab die schönste Farbe.

Fazit

Den Rest des Abends verbrachten wir zufrieden mit einem Augenspaziergang auf der gemeinsam erschaffenen Landschaft. Ich muss sagen, dass es das schwierigste war, das gute Stück zu verschenken. Unsere Arbeit wurde durch den fassungslosen sprachlosen Blick des beschenkten Volker entlohnt. Auf der Party ließen wir uns es übrigens nicht nehmen, die Platte mit ein paar kleinen Minispielen einzuweihen.

Die "Actionbilder" sind von einem GT Trainingsspiel mit Volker: Im Szenario "Cornered" testete ich meine Isengartarmee gegen Hochelben.

Wenn ihr also ein paar begeisterungsfähige Freunde und einen Anlass habt, möchte ich euch dringen empfehlen ein paar Getränke und Essen bereitzustellen und auch einmal eine Gruppenbastelarbeit veranstaltet. Es macht riesigen Spaß, ist gesellig und kommunikativ und man hat wirklich schnell ein tolles Ergebnis.

Danke auch noch mal an die Geländebaukünstler Götz, Xawa, Jörg und Michael, die mir doch geglaubt haben, dass das Kackbraun verschwindet.

 

Euer Tankred

Leserbewertung