Rezension von Andreas van Kampen (Blood Brother)
Nach „Kampf um Macragge“, dem Einsteigerset zu Warhammer 40.000, bringt GW mit „Die Minen von Moria“ jetzt auch ein Einsteigerset für Der Herr der Ringe auf den Markt. Nach den ersten Ankündigungen wurde viel spekuliert, was das Set zu bieten hat. Welche Profile sind im neuen Regelbuch? Wie gut sind der Troll und die Gefährten aus Plastik? Was für Gelände ist enthalten?
Seit der Spiel '05 in Essen, ist die Box nun endlich auch in Deutschland erhältlich und hat nicht nur für Einsteiger einiges zu bieten.

Inhalt
Beim öffnen der Box, fallen zunächst die fünf Plastikgussrahmen, allen voran der riesige Gelände Gussrahmen, gefolgt von zwei Moria Goblin Gussrahmen, dem Höhlentroll und den Plastikgefährten, ins Auge.
Separat eingeschweißt am Boden der Box befinden sich das „Die Minen von Moria Starterheft“ und die kleine Version des neuen Regelwerks. Ferner befinden sich noch vier Würfel, zwei blaue cm Maßstäbe und jedemenge Bases in der Box.
Miniaturen
Die Moria Goblins (24 Stück an der Zahl) sind genau die gleichen, wie sie damals schon in der „Die Gefährten“ Grundbox enthalten waren, hier gibt es also nichts neues zu berichten. Der Guss ist allerdings wesentlich präziser, als man das aus Gefährtenzeiten gewohnt ist.
Anders verhält es sich bei den Posen mit den Gefährten. Alle haben in der Plastikversion neue erhalten und die sehen zum Teil sogar richtig gut aus.
Merry und Pippin sehen, mit Stein in der Hand, sehr entschlossen aus. Sam ist mit Bratpfanne und einem vollgepackten Rucksack perfekt fürs Kochen in der Wildnis, bzw. zum Orkverdreschen, ausgerüstet. Lediglich Frodo hat wieder einmal seinen berühmten, starren Blick aufgesetzt während er mit einer Hand geistesabwesend den Ring hält - langweilig.
Gimli ist jetzt mit 2 Äxten anstatt der großen Zweihandaxt bewaffnet. Leider sieht er in dieser Pose aus, als ob er in bester „Fähnlein Fieselschweif“ Manier mit Fahnen Signale übermittelt - schade.
Boromir präsentiert sich jetzt endlich in einer kämpferischen, dynamischen Pose – sehr schön. Und auch Aragorn wirkt mit seinem beidhändig geführtem Schwert sehr dynamisch. Weniger dynamisch wirken da Legolas, der beim zielen in die falsche Richtung schaut, und Gandalf, der seinen Stab wie eine Laterne vor sich hält.
Alle Figuren sind sehr detailiert, allerdings machen sich die Grenzen der Plastikgusstechnik auch hier bemerkbar: Es finden sich immer wieder kleine, unmodellierte Stellen, die das Gesamtbild etwas trüben.
Alles in allem sind die Figuren schön, bilden aber für alteingesessene Spieler/bzw. Sammler keinen adäquaten Ersatz für die (zahlreichen) Zinnvarianten. Anfänger hingegen werden sicherlich ihre helle Freude an den Figuren haben.
Der Höhlentroll besteht aus mehreren Teilen, die sich problemlos zusammenbauen lassen. Leider ist die Passgenauigkeit der Teile, vor allem am Rücken, miserabel, so dass man nicht drumherum kommt, die Lücken mit Green Stuff zu füllen. Man kann den Troll sowohl mit Speer als auch mit Hammer ausrüsten. Wenn man möchte, braucht man die Waffenhand nicht anzukleben, so dass man problemlos zwischen den beiden Ausrüstungsoptionen wechseln kann – gefällt mir!
Die Pose sieht in natura bei weitem nicht so idiotisch aus, wie auf den vorab veröffentlichten Bildern. Der Troll stürmt quasi, mit dem Hammer/bzw. Speer ausholend, auf den Gegner zu – gar nicht mal schlecht.
Limitierte Sonderminiatur
Die limitierte Sonderminiatur, die man beim Kauf einer Moriabox für weitere 10 € erhalten kann, ist bei den Minen von Moria ein Frodo aus transparentem Resin.
Sammler, die auch Miniaturen wie die Zwielichtringgeister haben, sind natürlich ganz versessen auf diesen Gag. So mancher wird sich allerdings gut überlegen, ob er den unsichtbaren Frodo für den doch sehr hohen Preis kauft, da man ihn relativ selten einsetzt.
Vielleicht bietet Games Workshop die Sonderminiatur auch bald beim Kauf des Gefährten Hobbybuches an. Alle die die Kampagne spielen wollen werden rege Gebrauch von dieser Miniatur machen können, da die Ringgeister Frodo auch zwingen können, den Ring zu tragen.
Gelände
Der Geländegußrahmen ist in meinen Augen das Sahnestück der Box. Er enthält alle Geländeteile die auch in den Szenarien des Einsteigerbuches verwendet werden, die da wären: vier Säulen, einmal das Grab von Balin, eine Tür, ein Brunnen, zwei Falltüren und vier kleine Plättchen mit Zwergengerippen, Waffen und was sonst noch so in Moria rumliegt.
Die Teile stellen also nicht nur schönes Gelände für die Szenarien dar, sondern bilden gleichzeitig auch einen super Anfang (oder Ergänzung) für eine modulare Moria Platte.
Der Zusammenbau der mehrteiligen Geländestücke ist sehr einfach und sollte auch absoluten Neulingen nicht zu schwer fallen. Selbst das Entgraten beschränkt sich bei diesem Gußrahmen lediglich auf die Gußäste, ansonsten waren keine Grate sichtbar.
Bemalen lassen sich die Geländeteile mit einfachen Trockenbürsttechniken, wer will kann sich da natürlich noch mehr Mühe geben (Tipp: Die Säulen und den Türrahmen mit Strukturfarbe zu grundieren, gibt den leider sehr platten Flächen eine schöne Steinstruktur).
Einsteigerbuch
Im Einsteigerbuch finden sich zunächst grundlegende Dinge, wie eine Bauanleitung für die Figuren/bzw. Geländeteile aus der Box und wie man ein Spielfeld vorbereitet. Danach wird in vereinfachter Form auf das Spielsystem eingegangen. Es werden die Spielzugabfolge, das Messen von Entfernungen, die Schadenstabelle und letztendlich die Profile in einfachen Worten erklärt. Die weiteren Grundregeln zu Bewegung, Schußphase und Nahkampf werden anhand von 4 einfachen Szenarios erklärt, die sich alle mit dem Boxinhalt realisieren lassen.
Die Szenarios stellen den Weg der Gefährten durch die Minen von Moria dar, bis hin zum Kampf um Balins Grab. Zwar wirken die verwendeten Streitkräfte für erfahrene Spieler mehr als unausgeglichen,l z.b. kämpfen die Gefährten im 1. Szenario gegen sage und schreibe 4(!) Moria Goblins, allerdings muss man bedenken, dass das Einsteigerbuch zum einen ganz ohne Heldentum, Willenskraft und Schicksal auskommt, und zum andern – wie in Szenario 1 – z.b. ganz auf Nahkämpfe verzichtet wird.
Anfänger können mit diesen Szenarios also ziemlich schnell in das Spiel einsteigen, und nach und nach die Grundregeln dabei erlernen.
Nach den Szenarios, kommt noch ein kleiner Leitfaden zum Bemalen der Figuren, mit etwas „Materialkunde“, bei der nach GW Manier gleich noch die eigenen Produkte beworben werden, einer Bemalanleitung für Moria Goblins und zu guter Letzt einem Farbleitfaden, in dem für jede Figur die verwendeten Farben aufgelistet werden.
Während überall sonst, wirklich schön bemalte Figuren zu sehen sind, finden sich auf diesen Seiten nur Figuren, die ausschließlich mit Grundfarben bemalt wurden – nicht schön. Da hätte ich mir eine Bemalanleitung im Stil (und mit dem Ergebnis!) der ersten Hochelben Anleitung zu Gefährten-Zeiten, sehr viel besser vorstellen können.
Für Einsteiger sind diese Bemalanleitungen freilich sehr hilfreich.
Regelbuch
Das „Starter-Regelbuch“ präsentiert sich im A5 Format mit 112 Seiten. Das ganze ist wie gewohnt komplett in Farbe.
An dieser Stelle möchte ich mich darauf beschränken, auf die Unterschiede zur Hardcover Ausgabe des Regelwerks einzugehen. Eine ausführliche Rezension des neuen Regelwerkes von Dahark, findet ihr hier auf der Seite.
Der Regelteil ist identisch mit der Hardcover Ausgabe, enthält also die kompletten Regeln. Anders sieht es da mit dem Rest des Buches aus.
Der Szenario Teil enthält in der kleinen Ausgabe leider nicht die Turnier Szenarien, sondern beschränkt sich auf ein weiteres „Balins Grab“-Szenario und einer Doppelseite mit häufig verwendeten Szenario Regeln. Statt dem Balins Grab Szenario hätte ich die Turnierszenarien an dieser Stelle für sinnvoller gehalten – schade.
Der Hobbyteil des großen Regelbuches fehlt ganz, was aber in meinen Augen kein großer Verlust ist.
Der Profilteil enthält, anders als das Hardcover Regelbuch, nicht alle Profile. Es sind nur die Profile von den Figuren enthalten, die auch in den Filmen vorkamen, d.h. dass z.B. die Ork und Uruk-Hai Profile enthalten sind, nicht aber die der jeweiligen Schamanen.
Auch der Aufbau des Profilteiles unterscheidet sich von dem der Hardcover Ausgabe. Während im Hardcover Buch die Profile nach Völkern und Regionen geordnet sind, sind die Profile hier in der altbekannten Form nach Gut und Böse aufgelistet.
Anders als die Hardcover Ausgabe, ist das kleine Buch von groben Layout Schnitzern verschont geblieben – GW kanns also doch.
Fazit
„Die Minen von Moria“ richtet sich vor allem an Einsteiger und für die lohnt sich die Box auf jedenfall. Sie enthält alles um sofort mit dem richtigen Mittelerde Flair die ersten Schlachten zu schlagen, und führt den Neuling behutsam an die Regeln heran.
Bei den alten Hasen im Hobby bleibt die Frage, ob sich die Box für sie lohnt, ein zweischneidiges Schwert. Wer das Hardcover Regelbuch schon hat, wird mit der kleinen Version wenig anfangen können, wobei es sich natürlich perfekt für Turniere eignet, da es sehr handlich ist.
Wer mit den Goblins und den Geländeteilen nichts anfangen kann, wird mit der Box sicher auch nicht glücklich.
Allen anderen bietet die Box einen super Anfang für eine Moria Themenarmee, wirklich schöne Geländeteile und neun Gefährten die sich zur Not noch Super auf dem Balins Grab Diorama von DeAgostini unterbringen lassen.
Gruß
Andreas van Kampen (Blood Brother)















