Krieger der Galadhrim
Am Samstag ist es soweit: Eine langersehnte, wenn auch kleine Erweiterung des Elbensortimentes erscheint im Handel. Nach Jahren zahlreicher Umbauversuche erwarten den Spitzohrengeneral vor allem die stets vermissten Elben-Kavalleristen. Ich hatte die Gelegenheit, eine Box Krieger der Galadhrim zwei Tage vor Erscheinen zu ergattern und möchte euch meine ersten Eindrücke schildern, gefolgt von einer kleinen Bemalanleitung, für die der erste Prototyp meiner Box herhalten musste!
Der Gussrahmen
Was ich beim Aufmachen der Box als Erstes gedacht habe: Nicht schon wieder Köpfe ankleben... Ich kann mir den Sinn dahin wirklich nicht erklären, zumal es im Grunde (zumindest wie ich es sehe) lediglich zwei verschiedene Kopf-Grundtypen gibt (mit Ausnahme eines Kopfes ohne Helm, der wohl als Hauptmann dienen könnte). Darüber hinaus, und das fällt erst auf, wenn man zu basteln beginnt, setzen sich die Köpfe im Gegensatz zu denen der Ostlinge noch eine Ecke blöder auf. Bei den Ostlingen war es eine längere Kante, diesmal ist es eine Art Tetraeder. Klingt erstmal nicht schlecht, wenn die Negativform im Inneren des Kopfes auch optimal drauf sitzen würde. So ist leider relativ viel Spielraum, der beim Anfriemeln der kleinen Köpfe gern auch mal nervt. Desweiteren sehen die Köpfe zumindest aus der ein oder anderen Perspektive ziemlich aufgesetzt aus.
Der Detailgrad ist gut. Es gab sicherlich bessere Plastiksätze, aber dieser reiht sich so am Ende des oberen Drittels an. Die Posen sind meiner Meinung nach allesamt vernünftig, der Detailgrad ist nicht der Höchste, aber ausreichend für Infantrie. Stören tut mich eigentlich nur, dass einige Schuppenpanzer nicht schön gegossen sind. Während einige eine ordentliche und regelmäßige Struktur haben, gibt es ebenso einige, die zumindest auf einer Seite unschöne, schwache oder sehr unregelmäßige Kanten besitzen. Wie sich das beim Malen auswirkt, werde ich sehen!
Auffällig ist auch, dass die Stege sehr kurz sind. Könnte später ärgerlich beim Basen werden, wenn auf beiden Seiten des Steges noch kleine Löcher offen sind. Da wird man kaum drum herumkommen, diese Lücken beispielsweise mit Green Stuff aufzufüllen.
Die Bemalung
Aus gegebenem Anlass habe ich mich natürlich gleich rangesetzt, einen ersten Proto-Elb zu bemalen! Mit dem Endresultat (weiter unten) bin ich persönlich relativ zufrieden. Es ist sicherlich im Ganzen keine Miniatur, mit der man einen Preis gewinnen könnte (das gibt allerdings der Gußrahmen auch nicht her), aber in einer kleineren Gruppe kann man ihn durchaus mit aufs Schlachtfeld stellen!
Bei der Bemalung habe ich mich an dem orientiert, wie GW seine Elben bemalt hat. Erster schwerwiegender Mangel in meiner Farbsammlung war natürlich das Fehlen von Regal Blue, dass ich mit Enchanted Blue ersetzen musste. Dazu später jedoch mehr.
Bei näherem Betrachten fällt sofort auf, dass auch GW von seinem alten Galadhrim-Farbschema abgewichen ist. Das Blass-Gold von früher ist einem satten Goldton gewichen. Da mir selbst ein Faible für Gold leider fehlt und ich auch nicht mehr im Bilde war, wie sie diesen blassen Goldton zu Stande bekommen haben, habe ich mich also rangemacht, einen satten Goldton zu erarbeiten. Zunächst wurden sämtliche Rüstungsteile mit Mithril Silver grundiert und anschließend mit einer deckenden Schicht Shining Gold bemalt. Es folgten mehrere Washes aus einer Mischung aus Scorched und Vermit Brown (zu jeweils variierenden Verhältnissen, etwa 60:40 bis 30:70). Hier muss jeder selbst für sich entscheiden, wann der richtige Punkt ist, aufzuhören. Die erhabenen Stellen wurden mir Shining Gold wiederhergestellt und anschließend mit Burnished Gold noch einem hervorgehoben. Einen letzten, zarghaften Versuch einer Mischung aus Burnished Gold und Mithril Silver gibt es dann auch noch zu erwähnen, aber der hat am Ende kaum den Unterschied gemacht.
Der Unterrock bekam eine Grundschicht aus eine 70:30 Gemisch aus Dark Flesh und Scorched Brown. Weiter verfahren wurde mir reinem Dark Flesh, in das anschließend immer größere Teile an Dwarf Flesh hinzugefügt wurde.
Das Gesicht bekam zunächst eine Grundschicht aus Dark Flesh. Die war natürlich viel zu dunkel, was mir später einige Probleme bereiten sollte. Ich empfehle daher, mit einem Gemisch aus Dark und Dwarf Flesh anzufangen (Spielminis), oder gar mal reines Dwarf Flesh als Grundton zu verwenden (will ich noch mal testen, befürchte jedoch, dass dies zu wenig Kontraste auf Tischentfernung mit sich führt). Akzentuiert wurde dann entsprechend mit Dwarf Flesh und Elf Flesh.
Die Haare wollte ich zunächst mit Bestial Brown grundieren, was sich jedoch als zu dunkel herausstellte. Manchem mag selbst Vermit Brown, welches ich schlussendlich als Grundton aufgetragen hab, noch zu dunkel sein: Zur Not fängt man dann eben mit einer Mischung aus Vermit und Bubonic Brown an. Trotz sehr guter Strukturen entschied ich mich, die Strähnen einzeln zu bemalen und nicht zu bürsten. Die Strähnen bekamen dann erst einen Anstrich mit Bubonic Brown, und am Ende noch vorsichtig einen Akzent mit Bleached Bone.
Ja, der Mantel. Wie oben erwähnt, fehlte mir das empfohlene Regal Blue, und ich versuchte, es mit Enchanted Blue zu ersetzen. Im Nachhinein denk ich, wer Regal Blue hat, unbedingt zugreifen. Wer es mit Enchanted probiert, sollte das reine Enchanted vermeiden. Den Anfang macht ein etwa 50:50 Mix aus Chaos Black und Enchanted Blue. Für die zweite Schicht nahm ich nur noch ein Viertel Chaos Black. Als dritten Schritt nahm ich reines Enchanted Blue; rückblickend würde ich jedoch empfehlen, den Mix der zweiten Schicht zu verwenden und mit etwas Skull White aufzuhellen. Auch für die letzten beiden Schichten würde ich beim nächsten Mal lieber den Mix der zweiten Schicht als Grundton nehmen und weiter mit Skull White aufhellen, damit der Umhand nicht so quietschblau wird. Auch hier denke ich jedoch, dass es auf dem Schlachtfeld durchaus was hermacht. Zumindest gerät man nicht in Gefahr, seine Waldbewohner versehentlich in einem dichteren Wald zu übersehen.
Abschließende Details bringt die Miniatur recht wenige mit sich. Die Stiefel bekamen einen Anstrich aus Scorched Brown, bevor dieses, ein wenig mit Bleached Bone aufgehellt, einen Akzent markierte. Für die strahlende Elbenklinge nahm ich einen Grundton Chainmail und einen Akzent aus Mithril Silver. Der Griff der Klinge bekam ebenfalls einen Scorched Brown Anstrich, bevor ihm zwei Akzente mit zunehmender Menge Graveyard Earth gegeben wurden. Abschließend wurde noch die Base gestaltet und fertig ist der Proto-Elb.
Fazit
Insgesamt bin ich etwas gespalten über die Box. Ich denke, dass GW bei den Plastik-Kriegern einiges an Potential verschenkt hat, wenn man die Box mit älteren, schöneren Boxen vergleicht (z.B. die Kundschafter der Uruk-Hai, die für mich immernoch zu den schönsten Boxen der HdR-Range zählt)! Leute, die mit dem Gedanken spielen, sich eine Armee der Galadhrim (oder unter Hinzunahme einiger Galadhrim) aufzustellen, kann ich beruhigen: Ich glaube schon, dass die Dinger in einer größeren Gruppe ganz vernünftig aussehen! Wer auf einen schicken Einzel-Galadhrim für die Vitrine steht, sollte jedoch weiterhin zu den Kollegen aus Zinn greifen (wenngleich diese ja nicht mehr so einfach im Handel erhältlich sein werden; hier wird man ums ertauschen nicht herum kommen)! Von mir bekommt die Box 6,5 von 10 Punkten.
Und für all diejenigen, die jetzt noch weniger auf die Galadhrim warten können: Einmal werdet ihr noch wach, ...
Euer Stephan
4.38 (118 Bewertungen)









