Rezension Wargreiter (Zinnmodelle) von Tankred

Update: Dieser Artikel enthält nun korrigierte Hinweise nach aktuellem Regelstand. Die Zinnminiaturen der Wargreiter sind mit Sicherheit ein Highlight für jede böse Streitmacht. Erfahrt in diesem Artikel mehr über die Minis, Zusammenbau und Einsatz im Spiel

Schon im Film hat mich die Umsetzung der Warge sehr begeistert. Die ungewohnte Umsetzung der im Fantasy Genre allzubekannten Riesenwölfe überraschte mit der Anlehnung an Hyänen-Gesichtszüge gepaart mit der Geschmeidigkeit von Wölfen.

 

Die Gebrüder Perry haben mit der Modellierung der Reiter und der Warge wirklich ausgezeichnete Arbeit geleistet: Dynamische Posen, die sehr gut die Geschwindigkeit wiedergeben, detailreiche Rüstungen und die Züge der Bestien sollten keine Wünsche offen lassen.

Ein Wehrmutstropfen ist für viele Sammler und Spieler natürlich die Tatsache, dass die bislang einzige berittene böse Einheit ausschließlich als Zinnblister oder -box erhältlich sind.

 

Zur Zeit sind die Boxen Angriff der Warge und Wargreiter erhältlich. Beide enthalten ausschließlich Zinnminiaturen. Eine Plastikbox mit Wargreitern ist in Vorbereitung.

Der Zusammenbau und die Bemalung der Wargreiter setzt etwas mehr Geschick voraus, als die Bemalung der Reiter von Rohan. Da 2 Beine noch angeklebt werden müssen, empfehle ich unbedingt die Verwendung von Greenstuff, um die Lücken mit Fellstruktur zu füllen. Die Bases werden im Gegensatz zur Grundbox nicht mit vorgebohrten Löchern geliefert. Ich persönlich finde das nicht nachteilig, da die Wargreiter eher am Rande der Base die Füße auf de Boden setzen. Die Grundboxbasen sind aus diesem Grund nicht geeignet für Warge.

 

Die Bemalanleitung aus dem White Dwarf Nr. 84 ist in der Tat eine Anleitung für Fortgeschrittene: Die Bemalung des Fells erfolgt zunächst in Grau in verschiedenen Drybrush-Stufen, anschließend wird mit Chestnut-Ink eine Braune Fellfärbung getuscht. Ich empfehle allen, die diese Technik nicht beherrschen, in verschiedenen Brauntönen wie gewohnt trocken zu bürsten.

 

Im Spiel bieten Wargreiter dem bösen Spieler eine willkommene Abwechslung: Die Geschwindigkeit bzw. Reichweite der Warge erlauben ein dynamisches Spiel und ermöglichen insbesondere ausmanövrierten Feldherren Fehler auszubügeln. Die Bögen der Figuren weisen keine Klingen auf. Nichtsdestotrotz gelten Wargreiter als mit Klingenbögen bewaffnet.

Die Moral von Wargen beträgt übrigens 2, der Eintrag in der Beschreibung im Kapitel "Streitkräfte" des Regelwerkes ist fälschlicherweise mit 3 angegeben.

 

Wargreiter wie auch Reiter von Rohan representieren leichte Reiterei und sollten daher in ihrer Wirkung nicht zu hoch eingeschätzt werden. Bei ersten Testspielen habe ich schnell gemerkt, dass die relativ geringen Punktekosten sehr gut kalkuliert sind.

 

So konnte ich beobachten, wie eine Wargeinheit an einer Hochelbenschlagreihe aufgerieben wurde. Sie sind eben keine Ritter, sondern hinterhältige schnelle Truppen.

 

Ein Wargreiter mit Schwert und Schild ist einem Reiter von Rohan ebenbürtig, hat aber nicht die komfortable Ausstattung mit Bogen Schild und Schwert. Desöfteren werden in Szenarien Wargreiter mit Schild erwähnt, ein Standard ist das aber offensichtlich nicht. Ein Umbau lohnt sich hier, Wargreiter fallen gerne Bogenschützen zum Opfer. In Tunierspielen gelten Wargreiter nur mit Schilden bewaffnet, wenn ihr Schilde anklebt. Hierzu werden Goblinschilde empfohlen, Orkschilde der Gefährtenorks fände ich allerdings passender.

Taktische Möglichkeiten

Die Passagierregel sollte man sich auf jeden Fall noch einmal genau durchlesen. Prinzipiell kann ein Reiter einen Passagier aufnehmen und sogar direkt in einen Nahkampf "mitnehmen". Diese Möglichkeit wird im englischen FAQ erwähnt. Allerdings muss für das Aufsitzen gewürfelt werden, so dass man den Zeitpunkt gut wählen muss. Bitte beachtet, dass die Passagierregel in offiziellen Tunieren keine Anwendung findet!

 

Wargreiter sollten aufgrund der großen Base und des geringen Verteidigungswertes nicht für frontale Angriffe auf dicht geschlossene Reihen benutzt werden. Sie erhalten gegen Infantrie zwar den zusätzlichen Angriff und können niederreiten, aber gegen dicht gruppierte Infantrie haben diese Reiter nur geringe Chancen. Daher sollten Wargreiter Lücken füllen oder den guten alten Angriff auf die Flanke oder den Rücken des Gegners führen.

 

Wer Reiter ins Feld führt, sollte nach Möglichkeit auch einen berittenen Hauptmann aufstellen. Der Grund hierfür liegt in der Regelbesonderheit des "Chargens". Ich benutze hier den englischen Begriff, da wir im deutschen leider kein passendes Gegenstück haben. Alle Reiterboni gelten nur, wenn der Reiter einen Kampf initiiert hat, also gechargt hat. Hat man also einen Angriff auf eine Gruppe Infantrie geführt, ist es eigentlich immer so, dass man anschließend die Initiative verliert. Dann kann der Gegner die heiß geliebten Reiter festnageln und den erneuten Reiterbonus verhindern. In diesem Fall hat man in der Regel pro Reiter drei Infanteristen am Hacken. Da ist es leicht auszumalen was passiert. Seit "Die Rückkehr des Königs" können Reiter keinen Schildblock mehr durchführen. Daher gibt es keinerlei Möglichkeit außer der Flucht, um die wilden Warge zu retten. Glücklich kann sich schätzen, wer mit einer heroischen Bewegung die Reiter in Bewegung halten kann. Ein Heldentumspunkt ist in so einem Falle wirklich Gold wert.

 

Sharku, der Wargreiterhauptmann ist mit Sicherheit eine gute Wahl für solche Aufgaben. Mit den Mehrkosten von 5 Punkten im Vergleich zu normalen Orkhauptleuten auf Wargen bezahlt man lediglich einen zusätzlichen Heldentumspunkt. Das tolle an berittenen Hauptleuten ist die Zahl der Angriffe gegen Infantrie; Sharku wirft drei Angriffe gegen einen Käpfer zu Fuß, wenn der den Kampf gewonnen hat, regelt er mit 6(!) Würfeln, ob sein Gegner das Zeitliche segnet.

 

Prädestiniert sind alle Arten der TTT Reiter für Angriffe gegen gegnerische Bogenschützen. Insbesondere wenn diese ohne zusätzlichen Schutz alleine stehen. Man sollte allerdings großzügig Verluste einkalkulieren, wenn man solche Angriffe führt, schließlich sind die Reiter normale Orks und keine schwer gepanzerten Uruk-hai. Wenn Eure Reiter beschossen werden, solltet ihr nicht vergessen, dass Euer Gegner testen muss, ob Reittier oder Reiter getroffen werden. Wenn er das Reittier trifft, habt ihr immerhin 7 Punkte von 11 noch auf der Platte.

Fazit

Wer es sicht nicht schon wegen dem genialen Aussehen der Minis verkneifen konnte, Wargreiter anzuschaffen, der sollte sich schon wegen des Spielspaßes einige Reiter zulegen. Um die taktischen Möglichkeiten zu haben, reichen auch schon ein paar aus. Der Zusammenbau und die Bemalung empfehle ich Sammlern, die schon einige Reiter von Rohan gemeistert haben. Für mich sind die Wargreiter ein Must-have.

 

 

Euer Tankred