Cineastische Formationen von Tankred
Wenn man regelmäßig spielt und einige Standard-Situationen oft genug erlebt hat, kommt man irgendwann mal auf die Idee, einige Dinge auszuprobieren. Ich bin mit einem sehr guten Spielpartner gesegnet: Ertz wartete mal wieder mit einem schönen Vorschlag auf: Beim (inzwischen) vorletzten Spiel läuteten wir die Herbsspielsaison mit einer Schlacht des letzten Bündnisses ein. Sozusagen eine Erinnerung an die gute alte Zeit der Anfänge. Wir kramten also tief in der Miniaturenkiste und stellten Hochelben, Krieger von Gondor und Orks auf.
Ertz wollte einmal mehr versuchen, ob man mit solch teuren Helden wie Isildur (mit Ring) und Elrond gegen eine inzwischen in Spielerkreisen übliche Hauptmann-basierte Mordor Armee etwas ausrichten kann.
Um es vorwegzunehmen, da das eigentlich nicht das Thema dieses Artikels ist, zwei teure Helden sind mindestens einer zuviel in einer 500 Punkte Armee.
Ich führte eine reine Mordororkarmee ins Feld, mit zwei Hauptmännern zu Fuß, einem mit Warg, zwei Standarten, einem recht großen Trupp Orks und rund 10 Wargreitern. Auch ich wollte eine Sache bei diesem Spiel ausprobieren:
Ist man erfolgreich, wenn die Orks in einem wilden Haufen auf den Gegner zustürmen? Immer wieder sieht man Orksschlachtlinien auf den Tabletopplatten, die ordentlich wie ein Wachbattalion aufgereiht sind. Irgendwie störte mich das, weil Orks das, wenn überhaupt, nur zu Beginn einer Schlacht schaffen. Irgendwer erzählte mir auch, dass er jemanden kennt, der Orks so spielt wie sie sind: Er lässt sie unkontrolliert auf den nächst besten Gegner zustürmen.
Meine Ziele
Dieses Spiel sollte mir zeigen, ob man für eine filmgerechte Bewegung der Miniaturen in taktischer Hinsicht bestraft wird oder nicht. Es wäre auf jeden Fall hübscher, wenn man mit einer aufgelockerten recht tiefen Formation einen Orkmob über den Tisch bewegt. Würde ich die dichtgeschlossenen geordneten und damit ebenfalls cineastischen Formationen von Ertz Hochelben und Kriegern von Gondor in Bedrängnis bringen können?
Die ersten Bewegungen
Ich teilte meine Infanterie in zwei große Haufen, die jeweils einem Hauptmann mit Standarte folgten. Das sah schon sehr Filmähnlich aus. Ertz hielt das ähnlich, es gab zwei Gruppen von Menschen und Elben an der Flanke, in der Mitte machten sich die gefürchteten Hochelbenbogenschützen bereit.
Die großen und weit auseinandergezogenen Haufen gaben meinen Wargreitern eine sehr gute Deckung. Ebenfalls in zwei Gruppen machten sie Ertz nicht nervös und die Pfeile der Elben flogen in eine andere Richtung. Das Aufteilen der Warge zwischen Infanteriegruppen in Lücken und an der Flanke ist eine Taktik, die ich von Eru_der_eine gelernt habe. Er setzt diese leichte Kavallerie nie für Frontalangriffe ein und verhindert so, dass der gute Spieler Angst bekommt.
Bei der Infanterie achtete ich darauf, dass sich Kontrollzonen überschneiden, so dass Ertz nicht einfach einen Keil in die Formation hineintreiben konnte. Dennoch ließ ich genügend Platz um Bewegungen durch meine eigenen Männer machen zu können. Auf diese Weise versprach ich mir, die Orks mit Zweihandwaffen einsetzen zu können. Es ist immer schwierig diese in einen multiplen Nahkampf zu bringen. Meist bindet der Gegner Zweihandkämpfer in Zweikämpfen. Versteckt man diese aber in den hinteren Reihen, können sie durch die Lücken vorstoßen.
Im groben versuchte ich, in den ersten zwei lockeren Reihen Orks mit Schild aufzustellen, dahinter eine Mischung aus Zweihandkämpfern und Speerträgern. In der Mitte einer Gruppe sorgte ein Hauptmann für taktische Möglichkeiten, gefolgt von einem Standartenträger.
Die Schwierigkeiten des Gegners
Aus Sicht meines Gegners ist ein solcher Pulk wirklich schwer einzuschätzen und anzugreifen. Zum einen nimmt diese Formation durch die vielen Lücken einen sehr großen Raum ein. Die zahlenmäßig unterlegenen Elben und Menschen mussten höllisch auf ihre Flanken achtgeben. Ertz formierte deshalb eine weite Kurve.
Durch die Lücken meiner Formation konnte Ertz nicht weit vordringen. Zwei Kontrollzonen auf eine Lücke und die dahinterliegenden Kontrollzonen stoppten seinen Angriff ganz gut. Durch meine Überzahl hatte ich in meiner Bewegungsphase die Möglichkeit, relativ viele Nahkämpfe in Überzahl zusammenzustellen.
Die Zweihandkämpfer fanden ihren Weg zum Ziel, Wargreiter konnten die Flanken bedrohen.
Die ersten paar Runden Kampf zeigten mir, dass der Gegner in Unterzahl nicht optimal reagieren kann:
- Um massiv anzugreifen, muss er die Schlachtreihe dichtgedrängt lassen
- Die Flanken sind immer bedroht
- die zweite und dritte Reihe Orks haben fast immer noch die Möglichkeit, sich in irgendeine Lücke zu quetschen
- der gute Spieler wird dazu verleitet, die sichere Schlachtreihe mit Speerträgern aufzulösen
- dadurch kommt die Überzahl erst richtig zur Geltung
Der weitere Spielverlauf
Da Ertz linke Flanke unter Elrond zurückwich, um nicht von einer Gruppe Wargreiter überflügelt zu werden, konnte ich beide Gruppen in die Mitte werfen. Die lockere Formation vergrößerte meine Angriffsfläche ungemein, so dass ich nach und nach die Reihen der schwer gepanzerten ausdünnen konnte. Die Helden versuchte ich mit Bauernopfern auszumanövrieren, ich legte es nicht darauf an, sie zu vernichten. In großer Überzahl habe ich einmal Isildur angegriffen, er entkam mit Hilfe des einen Rings (der Kampf fand nach Saurons Vernichtung statt).
Fazit
Ertz wird wohl nie wieder zwei namenhafte teure Helden in einer Armee aufstellen.
Für mich steht nun die Überprüfung der Orkmobformation unter schwereren Bedingungen an. 250 Punkte für zwei Helden ist einfach zu viel, ich war offensichtlich im Vorteil. Mit Kavallerieunterstützung und in Überzahl mit gleich drei Hauptmännern funktionierte die Sache bestens. Bleibt die Frage, ob sich die artgerechte Formation gegen eine Gondorarmee des dritten Zeitalters genauso bewährt.
Ich hoffe ihr werdet es einmal ausprobieren, die Orks orkisch ins Feld zu führen. Ich schickte sie mit dem ein oder anderen Gröhlen in die Schlacht, es machte schon großen Spaß. Wenn es dann auch noch aussieht wie im Film, sollte es Freunden von guter Spielatmosphäre sehr gefallen.
Ich bin gespannt auf Euer Feedback.
Euer Tankred







