Grasbüschel herstellen

Grasbüschel erfreuen sich seit Neustem stetig wachsender Beliebtheit als Dekoration für Bases - wenig verwunderlich, sehen sie doch um einiges realistischer aus als einfaches, zumeist auch noch schlecht stehendes Streugras. Leider sind diese Büschel nicht ganz billig - 15? verlangt Mininatur für eine etwa DIN A-4 große Klarsichtfolie mit Grasbüscheln!

Das geht auch anders, dachte ich mir, und richtig: Unter der Vorraussetzung, dass man ein elektrostatisches Begrasungsgerät hat, kann man diese Büschel mit erfreulich wenig finanziellem und technischem Aufwand selber herstellen.
Der einzige Haken an der Sache: Die meisten Begrasungsgeräte sind nicht unbedingt billig, und so große Mengen an Grasbüscheln verbraucht man bei der Base-Verzierung ja auch nicht. Für Geländebauer hingegen, die viele Grasbüschel verwenden können und zudem von einem Begrasungsgerät auch nur profitieren werden, dürfte die Möglichkeit, die Büschelchen selber produzieren zu k?nnen einen große Preisersparnis bergen (Nicht ohne Grund besitzen ja auch die meisten Modellbahner ein Begrasungsgerät). Auch könnten sich mehrere Spieler oder ein Tabletop-Club zusammen einen Begraser kaufen, um so die Kosten aufzuteilen.

In diesem Artikel möchte ich euch demonstrieren, wie einfach es ist, sich selber Grasbüschel zu produzieren

Benötigte Materialien

von links nach rechts
  •  Leitmaterial, ich verwende hier eine Metallfolie. Hier kann von der Motorhaube über Fliegengitter aus Metall bis zum Backblech alles verwenden, was Strom leitet und eben ist.
  • Trägermaterial für die Büschel, z.B. Overhead-Folie oder Vergleichbares. Die Oberfläche sollte möglichst glatt sein und der Kleber muss sich wieder vom Träger lösen lassen.
  • Weißleim mit einem Schuss Wasser (Mischverhältnis ca. 9:1), das Wasser erleichtert das Ablösen der Büschel. Wichtig ist hier, dass man den Kleber möglichst punktgenau auftragen kann, eine Kleberflasche mit Dosieröffnung (wie die auf dem Bild) ist also ideal.
  • Beflockungsgerät: Elektrische Beflockungsgeräte gibt es von verschiedenen Herstellern und in unterschiedlichen Preisklassen, die verschiedenen Geräte nehmen sich aber gegenseitig nicht viel. Mir bekannte Produkte sind:
  1. Noch "Grasmaster", ca. 120?
  2. X-Teq-Tools "Gras-o-mat", nicht mehr in Produktion, wird aber auf ebay immer wieder verkauft für ca. 40-50? (Ebay-Suche: "Gras.O.Mat"). Mein Exemplar habe ich für 48? ersteigert.
  3. Heki "Flockstar", ca. 130?, benötigt noch einen 12V-Trafo.
  4. Alternativ lässt sich so ein Gerät auch für wenig Geld aus einer Elektrischen Fliegenklatsche und einem Küchensieb bauen, s.h. Link: http://www.bbutz.de/index.php?id=Gras-Master


Die Grasstreudose von Noch ist für diese Zwecke leider ungeeignet

  • Statisches Gras: Hier ist die Auswahl natürlich sehr groß, da man in Länge, Farbe und Hersteller eigentlich nicht eingeschränkt ist. Letzlich kann hier jeder selbst entscheiden, was er verwenden will. Ich habe für mein Tutorial die Grasfasern von Mininatur verwendet, die auch bei den Grasbüscheln von Mininatur selber zum Einsatz kommen (Sorte und Länge sieht man auf dem Bild).

Wichtig ist außerdem, das ihr einen freien, einfach zu reinigenden Arbeitsplatz besitzt, da immer eine große Menge an Streugras danebengeht.

 

Schritt 1: Leimtropfen auftragen

Nachdem wir uns alle Materialen bereitgestellt haben, können wir damit beginnen, die Klebepunkte dahin zu setzen, wo die Büschel entstehen sollen.

Wir legen als erstes die Trägerfolie auf das Leitmaterial.

Dann tragen wir mit der Kleberflasche kleine Tröpfchen, auf denen später die Büschel wachsen sollen, auf. Ich sage "Tröpfchen", weil die Klebepunkte möglichst gerundet sein sollten und nicht flach, da dann die Grasfasern schlechter halten. Die Größe der Tröpfchen ist euch selber überlassen, wie ihr es eben gerade braucht. Die Abstände zwischen den Tröpfchen müssen - abhängig von der Länge der Grasfasern - nicht so groß sein wie auf dem Bild. Will man statt Büscheln Streifen herstellen, macht man lange "Würstchen".

Dies machen wir nun solange bis der ganze Träger bis auf den Außenrand - der möglichst freibleiben sollte, damit man das ganze später noch hochheben kann - mit Tröpfchen bedeckt ist. Ich habe die DIN A4-große Folie an dieser Stelle in der Mitte geteilt; es ist allerdings auch kein Problem, die ganze Folie auf einmal zu begrasen.

Schritt 2: Kontaktklemme anschließen und Begrasungsgerät beladen

Da wir nun mit dem Setzen der Klebepunkte fertig sind, können wir die Polklemme des Begrasungsgerätes anschließen.

Die Klemme wird dabei einfach an einer Ecke, wo sie beim Begrasen nicht stört, angeschlossen. Das Kabel bleibt aber noch abgesteckt. Sollte euer Begrasungsgerät keine Klemme besitzen, müsst ihr improvisieren: Wenn ihr ein Fliegengitter als Leitmaterial benutzt, kann man die Nadel natürlich einfach ins Gitter stecken, wenn ihr - wie ich - eine Metallfolie habt, könntet ihr die Nadel beispielsweise mit einer Briefklammer befestigen.

Nun können wir - vorsichtig, damit ihr nicht versehentlich den Einschaltknopf drückt und euch einen Stromschlag holt, da die Kontaktleitung zum Gitter des Begrasers meist durch den Behälter für das Gras führt - den Begraser mit dem Gras befüllen...

... hierbei solltet ihr nicht zu wenig Gras verwenden, das meiste geht nämlich sowieso daneben. Wenn ihr zu wenig Gras benutzt, müsst ihr nur öfter den Überschuss einsammeln und wieder einfüllen. Haltet euch aber an die Anleitung des Begrasers, meist gibt es einen maximalen Füllstand.
Eventuell ist es nötig, das Gras etwas aufzulockern, bevor ihr damit streuen könnt. Das 4.5mm-Gras von Mininatur ist beispielsweise so stark zusammengepresst, dass dann beim Begrasen nur wenig durch das Gitter kommt. Es empfiehlt sich also das Gras etwas zwischen den Finger zu reiben und dadurch aufzulockern.

Seid ihr mit dem Befüllen fertig, kommt noch der Deckel - falls einer vorhanden ist - auf den Begraser.

Das Kabel möchte natürlich auch angesteckt werden.

Schritt 3: Begrasen


Nun können wir endlich den Begraser anwerfen und die Grasbüschel wachsen lassen.
Hierbei müsst ihr immer der Gebrauchsanweisung eures Gerätes folgen, andernfalls kann es sein, dass ihr einen Stromschlag abbekommt! Auch wenn dieser relativ harmlos ist - vergleichbar mit dem eines Weidezaunes - würde ich dies tunlichst vermeiden. Berührt also bitte nie das Gitter des Begrasers und das Leitermaterial gleichzeitig!

Auch sollten Personen mit Herzschrittmachern sich von Begrasungsgeräten fernhalten, da hier Stromschläge wirklich tödlich enden könnten!

Zum Begrasen bewegt ihr nun den Begraser ca. 2-5 cm (Abhängig vom Begrasungsgerät, der ideale Abstand steht normalerweise in der Gebrauchsanweisung) über dem Träger und schüttelt ihn dabei, sodass das Gras aus dem Gitter fällt.

Dabei solltet ihr versuchen möglichst gleichmäßig zu schütteln und zwar so, dass ihr den Begraser nicht nach oben und unten, sondern parallel zum Trägermaterial schüttelt.

Ihr schütttelt nun solange bis aus ein paar Halmen eine ansehnliche Schicht Gras geworden ist.

Wenn das Gras im Begraser zuende gegangen ist, ist es an der Zeit, den Überschuss einzusammeln.
Vorher solltet ihr aber noch das elektrische Feld des Begrasers abbauen. Dazu bringt ihr die Polklemme, die ihr jetzt bitte nur noch an der Isolationshülle anfasst, in die Nähe des Gitters - es gibt einen kleinen Blitz und das Feld ist abgebaut. Sicherheitshalber könnt ihr das Gitter nochmal mit der Klemme berühren. Jetzt können wir auch bedenkenlos das Kabel abstecken, damit es beim Befüllen nicht stört.

Wie ihr vielleicht schon bemerkt habt, ist der Großteil der Grasfasern auf eurem Arbeitsplatz gelandet :-)

Bevor ihr euch aber die Mühe macht, den Grasüberschuss einzusammeln, dreht erst einmal die Trägerfolie um und schüttelt sie kräftig, um die lockeren Fasern und alles, was zwischen den Büscheln gelandet ist, von der Folie zu entfernen.
Danach könnt ihr den Überschuss einsammeln.

Es empfiehlt sich, den kompletten Schritt 3 zu wiederholen, damit die Büschel noch dichter werden. Hierzu könnt ihr entweder noch einmal dieselbe Graslänge verwenden, oder eine kürzere Sorte. Wie oft ihr Schritt 3 wiederholt und mit welcher Länge steht euch natürlich offen.

Schritt 4: Trocknen lassen

Nachdem wir den Träger noch ein letztes Mal ausgeschüttelt haben, kann er nun zum Trocknen gehen. Es empfiehlt sich, den Träger kopfüber trocknen zu lassen, andernfalls kann es sein, dass die Schwerkraft uns einen Strich durch die Rechnung macht und die Grasfasern sich wieder hinlegen - schließlich ist der Leim ja noch flexibel. Insbesondere lange Fasern sind hiervon stark betroffen.

Wir kleben den Träger für das Trocknen also mit Klebeband - achtet darauf, dass die Klebestellen faserfrei sind -  auf eine stabile Unterlage, in meinem Fall ein Buch oder besser gesagt meinen Atlas. :-)

Das ganze kommt nun an eine Stelle, wo die Büschelchen ungestört trocknen können.

Jetzt ist es auch an der Zeit, eure Arbeitsplätze wieder zu reinigen. Die überschüssigen Grasfasern kann man natürlich nochmal verwenden. Staubsaugen ist - nachdem ihr das Gröbste an Fasern eingesammelt habt - empfehlenswert.

Das Ergebnis

Nachdem der Kleber getrocknet ist, können wir die Büschelchen von der Folie abziehen. Dazu verwendet man am Besten eine Pinzette, wobei man die Büschel nicht an den Grashalmen, sondern am Kleber anpacken sollte, da man die Grashalme sonst ausreißt. Sobald das Grasbüschel vom Träger gelöst ist, darf man es dann auch an den Grashalmen greifen.

Hier noch ein Größenvergleich und die Grasbüschelchen im Detail:

Und noch eine andere Sorte Büschel, diesmal mit zwei Durchgängen von 6,5mm Länge und noch einem mit 4,5mm Länge.

Hier habe ich auch ein paar Grasstreifen gebildet:

Diese lassen sich genauso leicht abziehen, wie die Büschel, indem man einfach ein Ende anhebt und dann langsam den Streifen abzieht:

Zum Schluss noch ein direkter Vergleich der beiden Längen:

Fazit

Ich hoffe, ich konnte euch zeigen, wie einfach es ist sich selber Grasbüschel und -streifen herzustellen, die ebenso gut aussehen, wie die von Mininatur. Vielleicht nimmt sich ja jemand diese Anleitung zu Herzen und probiert es auch einmal aus, ich würde mich darüber freuen, eure Ergebnisse und Erfahrungen zu sehen. Kritik und Fragen sind natürlich auch immer willkommen.

Grüße, Florian alias nighrush

 

Hier könnt ihr über den Artikel diskutieren